Everbloom verwandelt Hühnerfedern in nachhaltige Cashmere-Alternative
Everbloom, ein Startup mit Sitz in den USA, hat eine innovative Materialwissenschafts-Plattform entwickelt, die Abfall aus der Textil- und Lebensmittelindustrie in hochwertige, biologisch abbaubare Fasern verwandelt – darunter eine Substanz, die fast identisch mit Cashmere ist. Die Idee entstand aus der Erkenntnis, dass der steigende Bedarf an Cashmere zu übermäßiger Schur von Ziegen führt, was die Qualität der Faser verschlechtert und nachhaltige Weidewirtschaft gefährdet. Anstatt auf Veränderungen im Herdenmanagement oder auf teure Premium-Produkte zu setzen, griff Everbloom auf Abfallressourcen zurück. Das Kernmaterial ist Keratin – das Protein, das in Haaren, Federn, Wolle und Ziegenhaaren vorkommt. Die Firma sammelt Abfälle von Woll- und Cashmere-Betrieben, Textilfabriken und auch von der Geflügelfleischindustrie, wo Hühnerfedern als Nebenprodukt anfallen. Diese Rohstoffe werden in kleine Stücke zerkleinert und mit speziellen, biologisch abbaubaren Verbindungen vermischt. Die Masse wird dann durch ein Extrusionsverfahren geformt, das typischerweise für die Herstellung von Polyester verwendet wird, und anschließend in Spinnmaschinen verarbeitet – Geräte, die bereits 80 Prozent der globalen Textilproduktion ausmachen. Dadurch kann Everbloom seine Fasern nahtlos in bestehende Produktionsketten integrieren, ohne dass Hersteller neue Anlagen oder Prozesse aufbauen müssen. Die entscheidende Innovation ist dabei Braid.AI, ein künstliches Intelligenz-Modell, das die chemische Zusammensetzung, die Extrusionsbedingungen und die Spinnparameter automatisch anpasst, um Fasern mit spezifischen Eigenschaften wie Weichheit, Wärmeleitfähigkeit und Haltbarkeit zu erzeugen – exakt wie bei natürlichen Materialien wie Cashmere. Everbloom betont, dass alle Komponenten seiner Fasern biologisch abbaubar sind, was einen entscheidenden Vorteil gegenüber konventionellen synthetischen Fasern darstellt. Aktuell läuft eine beschleunigte Testphase, um die Abbaubarkeit zu validieren. Zudem soll das Verfahren kostengünstiger sein als die Produktion echten Cashmeres, da es Abfall nutzt und keine teuren Rohstoffe benötigt. „Wir glauben nicht an eine ‚nachhaltige Prämie‘“, sagt Co-Gründer Sim Gulati. „Ein nachhaltiges Material muss für alle Beteiligten wirtschaftlich sinnvoll sein – für Marken, Verbraucher und die Umwelt.“ Industrieexperten sehen in dem Ansatz ein vielversprechendes Modell für die zirkuläre Wirtschaft. „Die Kombination aus Abfallnutzung, AI-gesteuerter Materialentwicklung und industrieller Skalierbarkeit könnte die Textilindustrie nachhaltig verändern“, sagt Dr. Lena Müller, Materialwissenschaftlerin an der ETH Zürich. „Wenn die Abbaubarkeit bestätigt wird, könnte Everbloom ein Vorbild für die Next-Gen-Textilproduktion werden.“ Mit über 8 Millionen Dollar Investitionen von Investoren wie Hoxton Ventures und SOSV ist das Unternehmen auf einem starken Wachstumskurs. Die langfristige Vision: eine Welt, in der Abfall nicht mehr als Müll, sondern als Rohstoff für luxuriöse, nachhaltige Kleidung gilt.
