AI verschärft Jobkrise für Absolventen – Gen Z droht Revolte
Ein hochrangiger Finanzexperte aus der City of London warnt vor einer tiefgreifenden Krise im Graduiertenrekrutierungsprozess, die durch Künstliche Intelligenz (KI) verschärft wird. Quentin Nason, ehemaliger Managing Director bei Deutsche Bank und jetziger Vizepräsident der London Foundation for Banking and Finance, beschreibt das derzeitige System als „zerstört für beide Seiten“. In einem viralen LinkedIn-Beitrag schildert er, dass viele britische Studienabsolventen – oft mit Schulden von bis zu 50.000 Pfund – über 150 Stellenbewerbungen abgeschickt haben, ohne eine einzige Rückmeldung zu erhalten. Die Ursache: Ein überlastetes, automatisiertes Rekrutierungssystem, das KI-Tools nutzt, um Tausende Bewerbungen in Sekunden zu filtern. Diese Technologie hat die Bewerbung zu einem „Klick-und-los“-Prozess gemacht, wodurch sich die Konkurrenz für wenige Stellen auf 5.000 Bewerber pro Position verdichtet. Gleichzeitig nutzen Bewerber dieselbe KI, um perfekte Lebensläufe und Anschreiben zu generieren – was die Qualitätsunterschiede verschwimmen lässt und den Prozess zu einem digitalen „Fleischwolf“ macht. Nason betont die emotionale Belastung für Generation Z: „Diese Generation ist nicht dafür gebaut, solche Rejection zu ertragen.“ Viele haben genau das getan, was von ihnen erwartet wurde – hart gearbeitet, studiert, Schulden aufgenommen – und finden sich nun in einer Sackgasse. Die Studentenloans wachsen kontinuierlich, vergleichbar mit sogenannten PIK-Notes, die sich ohne Zinszahlung vergrößern. Für viele ist der einzige Weg, diese Schulden abzubezahlen, ein gut bezahlter Job in der City. Doch KI-Entwicklungen gefährden auch diese letzte Chance, da Einstiegspositionen in der White-Collar-Branche zunehmend automatisiert werden. Nason zieht eine alarmierende Parallele zu Nepal, wo jüngst Unruhen aus dem frustrierten Widerstand junger Menschen gegen Arbeitslosigkeit und Korruption ausbrachen – inklusive des Sturzes der Regierung. Obwohl die britische Gesellschaft nicht in Gewalt ausbrechen wird, warnt er vor einem „ersten Revolt der Generation Z“, nicht aus ideologischen Gründen, sondern aus Erschöpfung über ein System, das sie nicht mehr belohnt. Der soziale Vertrag – Bildung für Aufstieg – bricht auseinander, und KI beschleunigt diesen Zerfall. Während einige Tech-Führer wie Sam Altman oder Reid Hoffman glauben, dass Gen Z durch ihre KI-Fluency die größten Gewinner der nächsten Dekade werden könnten, warnen andere wie Anthropic-Chef Dario Amodei und Fed-Chef Jerome Powell vor dramatischen Arbeitsplatzverlusten. Amodei prognostiziert, dass bis zu die Hälfte der Einstiegsjobs in der Bürobranche in fünf Jahren verschwinden könnte. Praktische Beispiele bestätigen dies: PwC UK reduziert seine Graduiertenrekrutierung von 1.500 auf 1.300, Deloitte UK folgt dem Trend, und PwC US plant, die Zahl der Einstellungen in drei Jahren um ein Drittel zu senken. Nason fasst die Lage zusammen: „Etwas muss nachgeben – und zwar bald.“ Die KI-Revolution hat die Rekrutierung nicht effizienter gemacht, sondern unfaire und entfremdende Strukturen geschaffen. Ohne eine grundlegende Neuausrichtung der Berufseinstiegslandschaft droht nicht nur ein Vertrauensverlust in die Bildung, sondern eine tiefgreifende soziale Spannung.
