Altman und Deutsch vereinbaren neuen Test für menschenähnliche KI
In einer bemerkenswerten Podiumsdiskussion in Berlin stimmten OpenAI-Chef Sam Altman und der britische Physiker und Philosoph David Deutsch einer neuen, hochgradig anspruchsvollen Prüfung für künstliche Allgemeine Intelligenz (AGI) zu: Wenn ein KI-System die Theorie der Quantengravitation lösen und ihre Entstehungsgeschichte erklären könnte – inklusive der Probleme, die es angegangen hat, und der Motivation dahinter –, würde das nach Ansicht beider als Beweis für menschenähnliche Intelligenz gelten. Die Begegnung fand im Rahmen einer Veranstaltung von Axel Springer statt, bei der Altman einen Preis entgegennahm und im Gespräch mit Verleger Mathias Döpfner auftrat. Döpfner verband die beiden durch eine Live-Verbindung aus Oxford, wo Deutsch sitzt, was Altman sichtlich freute. Deutsch, der als einer der Väter der Quanteninformatik gilt und skeptisch gegenüber rein datengetriebenen Ansätzen zur KI ist, betonte, dass reine Sprachfähigkeit – wie bei ChatGPT – keine echte Intelligenz beweise. „Ein System kann endlos reden, weil es riesige Datenmengen verarbeitet“, sagte er, „aber echte Intelligenz liegt in der Fähigkeit, Wissen zu schaffen: ein Problem erkennen, eine Lösung erfinden, sie testen und weiter verbessern.“ Er verwies auf Albert Einstein, dessen Relativitätstheorie nicht einfach aus vorhandenen Ideen zusammengesetzt, sondern neu erschaffen wurde – eine Tatsache, die sich aus seinem Forschungsprozess und seinen Fragen ergab. Altman, der für die Skalierung und iterative Verbesserung von KI steht, zeigte sich beeindruckt. Er nannte Deutschs Buch The Beginning of Infinity sein Lieblingswerk und hob dessen philosophische Tiefe hervor. Beide erkannten eine gemeinsame Grundüberzeugung: Intelligenz ist mehr als bloße Replikation. Als Altman fragte, ob ein Modell, das Quantengravitation lösen und seine eigene Entstehungsgeschichte erzählen könnte, als AGI gelten müsse, antwortete Deutsch ohne Zögern: „Ja, das würde mich überzeugen.“ Altman nickte: „Ich stimme dieser Prüfung zu.“ Diese Vereinbarung markiert eine seltene Einigung zwischen zwei unterschiedlichen Ansätzen: dem pragmatischen, skalierungsfokussierten Weg von OpenAI und dem theoretisch fundierten, kreativitätszentrierten Ansatz Deutschs. Die neue „Quantengravitations-Prüfung“ könnte künftig eine zentrale Metrik sein, um zwischen hochentwickelter Simulation und echter kognitiver Leistung zu unterscheiden. Industriebeobachter sehen in der Vereinbarung eine symbolische Wendung: Während viele KI-Entwickler auf Leistungsmessungen wie Sprachverarbeitung oder logische Aufgaben setzen, legt dieses Konsens den Fokus auf kreativen Erkenntnisprozess – den Kern menschlicher Intelligenz. Für OpenAI könnte dies eine neue Richtschnur sein, um die Grenzen der gegenwärtigen Systeme zu definieren. Für Deutsch ist es eine klare Absage an die Vorstellung, dass Intelligenz sich durch bloße Datenmenge erzeugen lässt. Die Herausforderung bleibt groß – doch die Einigung zeigt, dass selbst tief verwurzelte Skeptiker und Optimisten sich auf einen gemeinsamen, hochgradig anspruchsvollen Test einigen können.
