Intel stärkt Datenzentrum-Position mit neuen Xeon-Chips trotz Produktionshürden
Intel bleibt in der Datenzentrum-Welt weiterhin unter Druck, doch es gibt Anzeichen für eine Besserung. Die jüngsten Entwicklungen im Xeon-Portfolio – insbesondere die Ankündigung der „Coral Rapids“-Generation – deuten auf eine strategische Korrektur hin. Die vorherige „Diamond Rapids“-Generation mit ihren P-Kernen (Xeon 7) hatte aufgrund der Entfernung von Simultaneous Multithreading (SMT) eine deutlich reduzierte Durchsatzleistung pro Kern, was insbesondere für serverbasierte Workloads mit hoher Thread-Intensität problematisch war. Dieser Schritt, der auf Sicherheitsbedenken und Leistungsverluste bei Single-Threaded Tasks zurückging, war Teil einer langen Phase der strategischen Unsicherheit bei Intel. Nun will das Unternehmen mit Coral Rapids SMT wieder einführen – ursprünglich für 2027/2028 geplant, aber nun möglicherweise beschleunigt durch den Einsatz des fortschrittlichen 18A-Verfahrens (ca. 2 nm), das bereits für die High-End-Teile von Diamond Rapids genutzt wird. Die neue Generation könnte zudem mit NVLink-Fusion-Ports ausgestattet sein, um eine nahtlose Integration mit Nvidia-GPUs und Speicherfabric-Switches zu ermöglichen, sowie DDR6-Support und bis zu vier Speichersticks pro Kanal, was die Hauptspeicherkapazität von Servern erheblich steigern würde. Parallel dazu hat Intel die Produktion von 8-Kanal-Varianten von Diamond Rapids eingestellt und sich auf 16-Kanal-High-End-Teile konzentriert – gezielt auf Datenbanken, HPC und AI-Hosts ausgerichtet. Dies spiegelt die knappe Kapazität auf dem 18A-Verfahren wider, das noch nicht ausreichend skaliert ist. Auch die Produktionsrampen für Intel 7 und Intel 3 sind behindert, was zu Lieferengpässen führt. Finanzchef Dave Zinsner räumte ein, dass Intel „hand zu Mund“ arbeitet: Die Lagerbestände seien auf 40 % des Höchststands reduziert, und die Kapazitäten seien knapp. Um die Nachfrage zu decken, priorisiert Intel nun die Datenzentrum-Produktion und greift auf externen Wafer-Produktionskapazitäten zurück – eine kostenträchtige, aber notwendige Maßnahme. Die Zahlen für das vierte Quartal 2025 zeigen ein positives Bild für die Data Center Group: Umsatz stieg um 8,9 % gegenüber dem Vorjahr auf 4,74 Mrd. USD und um 15,1 % im Quartalvergleich. Der operative Gewinn stieg auf 1,25 Mrd. USD – ein Plus von 330 % gegenüber dem Vorjahr und fast 30 % im Quartalvergleich. Dies unterstreicht die hohe Nachfrage nach leistungsstarken, teuren CPUs für HPC und AI-Systeme, die leistungsfähige Cores benötigen, um teure GPUs oder XPUs zu versorgen. Dennoch ist klar: Die goldenen Zeiten von 2020–2022 sind vorbei. Ein stabiler Zustand könnte bei etwa 6 Mrd. USD Umsatz pro Quartal und 2 Mrd. USD Gewinn liegen – wenn alles gut läuft. Die Zukunft gehört zunehmend Arm-basierten Chips, die mittlerweile 25 % des Server-Marktes ausmachen könnten. AMD und Intel werden sich um die verbleibenden 75 % streiten, wobei AMDs Epyc-Strategie – mit höheren Kernzahlen durch reduzierten Cache – als eleganterer Ansatz gilt, der zwei Produktlinien ohne Funktionsänderung ermöglicht. Intel könnte von diesem Modell profitieren. Industrieinsider sehen in der Rückkehr von SMT und der Beschleunigung von Coral Rapids eine notwendige Wende. Die Entwicklung des 14A-Prozesses bleibt entscheidend – ohne externe Kunden wird die Skalierung schwierig. Doch mit fortschreitenden Fortschritten in Design-Enablement und Packaging (EMIB, EMIB-T) könnte Intel im zweiten Halbjahr 2026 wieder wettbewerbsfähig werden. Die Konkurrenz aus AMD, Nvidia und TSMC bleibt jedoch ungebrochen. Intel hat zwar noch nicht den Durchbruch geschafft, aber die Signale deuten auf eine langsame, aber konsequente Wiederbelebung.
