Chinas Fenghua No.3 GPU mit HBM-Speicher und RT-Unterstützung
Innosilicon Technology hat mit dem Fenghua No.3 ihre bisher leistungsstärkste GPU vorgestellt, die als bedeutender Schritt in Chinas Bemühungen um technologische Unabhängigkeit gilt. Im Gegensatz zu den vorherigen Modellen, die auf Imagination Technologies’ PowerVR-IP basierten, nutzt der Fenghua No.3 nun eine offene RISC-V-Architektur, die von der OpenCore Institute’s Nanhu V3-Plattform beeinflusst ist. Dieser Wechsel markiert einen strategischen Wandel hin zu selbstentwickelten, auf Open-Source-Technologien basierenden Lösungen. Der Chip soll Unterstützung für moderne Grafik-APIs wie DirectX 12, Vulkan 1.2 und OpenGL 4.6 bieten und zudem Ray Tracing unterstützen – eine Funktion, die in der Vergangenheit bei chinesischen GPUs selten war. Während bei der Präsentation Spiele wie Tomb Raider, Delta Force und Valorant flüssig liefen, fehlen konkrete Angaben zu Auflösung, Bildraten oder Einstellungen, was die Validierung der Claims erschwert. Ein zentraler Verkaufsargument ist die beeindruckende Speicherkapazität: Der Fenghua No.3 verfügt über mehr als 112 GB HBM-Speicher, was ihn besonders für KI-Anwendungen geeignet macht. Laut Innosilicon kann ein einzelner Chip große Sprachmodelle wie 32B- und 72B-Parameter-Modelle effizient verarbeiten, während acht GPUs gemeinsam Modelle mit bis zu 671B und 685B Parametern betreiben können. Die Kompatibilität mit DeepSeek-V3, R1 und V3.1 sowie mit Qwen 2.5 und Qwen 3 wird betont. Zudem ist der Chip die erste Grafikkarte Chinas, die native YUV444-Unterstützung bietet – ein Plus für anspruchsvolle Video- und CAD-Anwendungen. Er kann bis zu sechs 8K-Displays (7680 x 4320) bei 30 Hz steuern, was sich besonders für professionelle Workflows eignet. Ein weiterer bahnbrechender Aspekt ist die native Unterstützung für DICOM (Digital Imaging and Communication in Medicine), wodurch medizinische Bilder wie Röntgenaufnahmen, MRTs oder CT-Scans direkt auf herkömmlichen Monitoren präzise dargestellt werden können – eine Funktion, die bisher nur mit teuren Spezialmonitoren möglich war. Dies könnte die medizinische Bildverarbeitung in China erheblich zugänglicher machen. Insgesamt markiert der Fenghua No.3 einen Meilenstein in der Entwicklung der chinesischen Halbleiterindustrie. Obwohl er noch nicht mit den Spitzenprodukten von NVIDIA oder AMD konkurrieren kann, zeigt er, dass China Schritt für Schritt in der Lage ist, kritische Technologien selbst zu entwickeln. Die Kombination aus RISC-V, hoher Speicherkapazität, KI-Optimierung und medizinischer Spezialisierung unterstreicht die strategische Ausrichtung auf Selbstversorgung und Nischeninnovation. Branchenexperten sehen in solchen Entwicklungen einen langfristigen Trend: Während die USA weiterhin in Hochleistungs-GPUs führen, könnte China durch gezielte Innovationen in spezifischen Märkten – wie KI, Medizin oder industrielle Anwendungen – eine eigenständige Position etablieren. Innosilicon, ein relativ kleiner Akteur im globalen Markt, zeigt mit dem Fenghua No.3, dass chinesische Unternehmen auch ohne direkte Konkurrenz zu NVIDIA oder AMD bedeutende Fortschritte erzielen können. Die Gesamtheit solcher Entwicklungen könnte in Zukunft die globale Technologielandschaft verändern.
