Latent Labs präsentiert AI-Modell Latent-X2 für drug-taugliche Antikörper mit geringer Immunogenität
Latent Labs hat mit Latent-X2 eine bahnbrechende KI-Plattform vorgestellt, die erstmals drug-like Biologika – insbesondere Antikörper und makrozyklische Peptide – ohne iterative Optimierung direkt aus der ersten Generierung hervorbringt. Das Modell ermöglicht die gezielte Entwicklung hochaffiner Bindemoleküle gegen anspruchsvolle therapeutische Zielstrukturen, darunter auch bisher als „undruggable“ geltende Proteine wie K-Ras. In Tests erreichte Latent-X2 bereits in der ersten Iteration Bindungen mit Picomolar- bis Nanomolar-Affinität an die Hälfte von 18 unterschiedlichen, herausfordernden Zielen. Dabei benötigte das System nur 4 bis 24 Entwürfe pro Ziel – ein Bruchteil der Sequenzen, die traditionelle Methoden wie mRNA-Display erforderlich machen. Besonders bemerkenswert ist die „drug-like by default“-Ausrichtung: Die von Latent-X2 generierten VHH-Antikörper zeigten in ex vivo-Tests an menschlichen T-Zellen eine niedrige Immunogenität, was erstmals für eine KI-generierte Antikörperklasse nachgewiesen wurde. Zudem erreichen die Moleküle Entwicklungsprofile, die mit zugelassenen Therapeutika vergleichbar oder sogar überlegen sind. Die Plattform ist über eine webbasierte Oberfläche oder eine API nutzbar und ermöglicht eine nahtlose Integration in bestehende Forschungsworkflows. Sie unterstützt verschiedene Molekülformate wie VHH, scFv und makrozyklische Peptide und wird von Wissenschaftlern ohne tiefgehende KI-Kenntnisse genutzt. Latent-X2 baut auf dem Erfolg von Latent-X1 auf, das vor fünf Monaten veröffentlicht wurde und bereits von Industrie- und Akademiegruppen weltweit genutzt wird. Die Technologie ist Teil eines größeren Paradigmenwechsels in der Arzneimittelentwicklung: Statt jahrelanger, kostspieliger Iterationen im Labor kann nun bereits am Anfang ein molekularer Entwurf mit klinischer Relevanz erstellt werden – vergleichbar mit der computergestützten Entwicklung von Halbleitern oder Satelliten. Zur Stärkung der strategischen Ausrichtung hat Latent Labs Stefan Oschmann, ehemaliger CEO von Merck KGaA, in seinen Beratungsrat berufen. Er betont, dass die Fähigkeit, Moleküle von Grund auf nach funktionellen Prinzipien zu entwerfen, die Logik der Arzneimittelentwicklung grundlegend verändern könnte. Zugang zu Latent-X2 ist zunächst für ausgewählte Partner möglich, Interessenten können sich über [email protected] melden. Die Entwicklung wird durch ein starkes Team vorangetrieben, das ehemalige Co-Entwickler von AlphaFold 2 und Führungskräfte aus DeepMind, Microsoft, Apple, Exscientia und anderen führenden Biotech- und Tech-Unternehmen umfasst. Die Finanzierung von 50 Millionen US-Dollar wurde vor zehn Monaten durch Radical Ventures und Sofinnova Partners ko-leitet, mit Beteiligung von Dario Amodei (Anthropic), Mati Staniszewski (Eleven Labs) und Jeff Dean (Google). Industrieexperten sehen in Latent-X2 einen Meilenstein: Die Kombination aus hoher Affinität, niedriger Immunogenität und reduziertem Optimierungsaufwand könnte die klinische Entwicklung von Biologika um Jahre beschleunigen und die Rate klinischer Misserfolge senken. Die Technologie steht am Anfang einer neuen Ära, in der KI nicht nur hilft, sondern den Entwurf von Arzneimitteln von Anfang an „richtig“ macht.
