KI-Modell kartiert 23.000 Technologien und deren Entwicklung
Ein internationales Forschungsteam um die Universität für Technologie Sydney (UTS) hat mit dem „Cosmos 1.0“-Framework eine der umfassendsten und offen zugänglichen Karten der globalen Technologieentwicklung erstellt. Mittels maschinellen Lernens analysierten die Wissenschaftler Millionen von Wikipedia-Artikeln, Büchern und Patenten, um über 23.000 Technologien in einem hierarchischen Netzwerk zu kategorisieren. Das Ergebnis ist eine interaktive, mehrstufige Karte, die die Entwicklung, Vernetzung und Reife von Technologien visualisiert – von künstlicher Intelligenz über Quantencomputing bis hin zu nachhaltigen Energietechnologien. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift Scientific Data veröffentlicht. Das Framework identifiziert sieben Hauptcluster: autonome Systeme, Biotechnologie, Daten & Analytik, Gesundheit & Medizin, Nanotechnologie, Netzwerke & Kommunikation sowie konvergente Technologien – jener zentrale Cluster, in dem Materialwissenschaft, Ingenieurwesen und digitale Systeme aufeinandertreffen. Interessanterweise finden sich hier auch viele Technologien im Bereich erneuerbare Energien und Klimaschutz. Die Analyse zeigt, dass Technologien nicht isoliert, sondern in komplexen Netzwerken entstehen und sich gegenseitig beeinflussen. Ein zentraler Beitrag von Cosmos 1.0 ist die Einführung von vier standardisierten Indizes: der Deeptech-Index misst den wissenschaftlichen Fundament, der Generality-Index die Allgemeingültigkeit und Anwendbarkeit, der Maturity-Index die Reife und der Hype-Index die öffentliche Aufmerksamkeit. Dadurch können Entscheidungsträger unterscheiden, welche Technologien tiefgreifende Innovationen darstellen und welche möglicherweise nur kurzfristige Hypes sind. So lässt sich beispielsweise bei KI erkennen, dass Techniken wie Deep Learning und Computer Vision bereits reif sind, während andere wie Transfer Learning noch in der Entwicklung stecken. Die Forscher nutzten dimensionale Reduktion und hierarchische Clusteranalyse, um die Daten in eine 2D-Karte zu überführen, die die Verteilung der Technologien und deren Beziehungen klar macht. Die 100 ausgewählten, etablierten Technologien (ET100) sind als Sterne hervorgehoben, deren Größe den Generality-Index widerspiegelt. Die Analyse zeigt, dass „Data & Analytics“ in Wikipedia-Artikeln am häufigsten erwähnt wird – ein Hinweis auf ihre zentrale Rolle in der heutigen Technologielandschaft. Das Projekt wurde von Associate Professor Marian-Andrei Rizoiu geleitet, dem Leiter des UTS Behavioral Data Science Lab. Die Daten sind vollständig öffentlich verfügbar und sollen Forschern, Politikern und Investoren helfen, strategische Entscheidungen zu treffen – etwa bei der Förderung von Technologien, der Benchmarking von nationalen Innovationskapazitäten oder der Identifikation von Nachbarfeldern, die als nächste Schritte für bestehende Kompetenzen dienen können. Industrieexperten loben das Werk als „Meilenstein für technologische Strategieplanung“. Es ermögliche eine datengestützte, objektive Sicht auf Innovationen, die über bloße PR- und Marktphänomene hinausgeht. Die Fähigkeit, Hype von echter Tiefe zu unterscheiden, ist besonders wertvoll für staatliche Förderprogramme und Venture-Capital-Investitionen. Cosmos 1.0 ist damit nicht nur eine Karte der Vergangenheit, sondern ein Werkzeug für die Zukunft der Innovation.
