Oracle Cloud könnte bis Ende der Dekade AWS erreichen
Oracle steht vor einer Transformation, die das Unternehmen in die Liga der globalen Cloud-Hauptakteure heben könnte – möglicherweise sogar an die Seite von Amazon Web Services (AWS). Während Larry Ellison, der 1977 mit Bob Miner und Ed Oates Oracle gründete, früher als Experte für Datenbanken und Enterprise-Software bekannt war, positioniert sich das Unternehmen nun als führender Anbieter von Infrastruktur für generative KI. Die strategische Kombination aus tiefgehender Datenkenntnis, proprietärer AI-Infrastruktur und einem massiven, wachsenden Kundenstamm macht Oracle zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz im Cloud- und KI-Sektor. Oracle war zwar spät beim Cloud-Start, doch seit 2015, als Ellison die Strategie klar definierte, hat sich die Entwicklung beschleunigt. Mit der Einführung von Oracle Cloud Infrastructure (OCI) und dem Fokus auf Plattform- und Infrastrukturdienste (IaaS) baute das Unternehmen eine robuste Basis auf. Besonders entscheidend ist nun die Integration von KI: Oracle hat eigene GenAI-Modelle entwickelt und einen „AI-Database“ eingeführt, der Daten in Vektoren umwandelt, sodass KI-Modelle wie ChatGPT, Gemini oder Llama direkt auf unternehmensinterne, sensible Daten zugreifen können – ohne diese zu exponieren. Dies ermöglicht komplexe, datenbasierte Entscheidungen, etwa zur Prognose von Umsatz und Gewinn unter Berücksichtigung von Zöllen oder Marktdaten. Auf der Wall Street-Analyse-Runde im Q1-FY2026 hob Ellison hervor, dass Oracle nicht nur in der KI-Training, sondern besonders im KI-Inferencing führend sei – dank der weltweit größten Sammlung hochwertiger, privater Unternehmensdaten. Die Vision: KI-Agenten, die automatisch Prozesse in Vertrieb, Recht, Finanzen und Produktion steuern. Oracle vermarktet nicht nur Infrastruktur, sondern generiert selbst Anwendungen über seine AI-Stacks – und das ohne zusätzliche Lizenzgebühren, da die Anwendungen selbst als AI-Systeme fungieren. Diese Strategie könnte profitabler sein als die von OpenAI, das künftig selbst auf Oracle-Infrastruktur bauen könnte. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Safra Catz, CEO, kündigte für das August-Quartal ein Rest Performance Obligation (RPO) von 455,3 Milliarden US-Dollar an – ein Anstieg um das 4,6-Fache gegenüber dem Vorjahr. Für die kommenden Jahre prognostiziert Oracle OCI-Umsätze von 18 Milliarden (2026), 32 Milliarden (2027), 73 Milliarden (2028), 114 Milliarden (2029) und 144 Milliarden (2030). Diese Präzision und Größenordnung sind beispiellos. Gleichzeitig investiert Oracle massiv: In FY2025 lagen die Kapitalkosten fast auf dem Niveau der gesamten Cloud-Einnahmen – ein Zeichen für den hohen Ausbau der Infrastruktur, insbesondere mit GPU-Systemen und Exadata-Technologie. Obwohl dies normalerweise Aktienkurse belasten würde, stützt Oracle sich auf ein profitables Kerngeschäft in Software, Middleware und Datenbanken, das die Investitionen finanzieren kann. Die Kapitalkosten werden sich voraussichtlich im Laufe der Zeit stabilisieren, während die OCI-Einnahmen exponentiell wachsen – mit einem deutlichen Gewinnabstand. Die Gesamtcloud-Einnahmen könnten 2029 über 100 Milliarden erreichen, wobei SaaS/PaaS um 1,65-fach und OCI um das 11-Fache wachsen. Insgesamt wird Oracle zunehmend zu einem hybriden Player: nicht mehr nur Software-Provider, sondern KI-Infrastruktur- und Anwendungsgenerator. Die Vision ist klar: Wer die Daten hat, die KI versteht und die Infrastruktur baut, wird dominieren – und Oracle könnte genau dieser Spieler sein. Selbst wenn Ellison nicht „den letzten Witz“ macht, ist das Unternehmen in den nächsten Jahren sicherlich das, was man „das Geld im Bankhaus“ nennen könnte.
