Humanoid-Roboter im Olympos: Fortschritt trotz Langsamkeit
In der antiken Olympia, Griechenland, fand am 1. September 2025 die erste Internationale Humanoid-Olympiade statt, bei der Roboter mit menschenähnlicher Gestalt vor versammelter Fachwelt und Öffentlichkeit ihre Fähigkeiten unter Beweis stellten. Mit zögerlichen Schritten spielten sie Fußball, boxten im Schatten, schossen Pfeile und begeisterten Kinder – doch ihre Bewegungen blieben oft stockend, und viele mussten wegen Batterieproblemen pausieren. Die Veranstaltung, organisiert von Akademikern und Unternehmern wie Minas Liarokapis und Patrick Jarvis, diente als Plattform, um den Stand der Technik zu messen und Fortschritte in der Entwicklung humanoider Roboter zu dokumentieren. Obwohl Künstliche Intelligenz (KI) in Bereichen wie Sprachmodellen wie ChatGPT rasant voranschreitet, bleiben physische Roboter weit hinterher. Laut einem Artikel in Science Robotics sind humanoider Roboter in der Datenaufnahme und -verarbeitung etwa 100.000 Jahre hinter der KI zurück. Der Grund: Während KI aus digitalen Daten wie Texten und Bildern lernt, fehlt es humanoiden Robotern an realen, vielfältigen Trainingsdaten aus der physischen Welt. Diese sind teuer, langsam und komplex zu sammeln. Experten wie Ken Goldberg von der University of California, Berkeley, fordern daher eine Kombination aus realer Erfahrung und klassischer Ingenieurkunst: Roboter sollten nicht nur simuliert, sondern in echten Aufgaben – wie Paketlieferung oder Taxi-Fahren – arbeiten, um wertvolle Daten zu generieren. Auch Luis Sentis von der University of Texas betont, dass der Durchbruch nur durch Kooperation zwischen Forschung, Industrie und Datenunternehmen gelingen kann – eine Entwicklung, die bereits Milliardeninvestitionen anzieht. Unternehmen wie Psyonic, das bionische Hände für Menschen und Roboter entwickelt, nutzen dabei Daten aus der menschlichen Anwendung, um Roboter schneller zu trainieren. Aadeel Akhtar, CEO von Psyonic, sieht hier eine Schlüsselstrategie: „Wir bauen die Hand für Menschen und übertragen die Daten auf Roboter.“ Ein weiterer Ansatz stammt aus dem Bereich der Biotechnologie: Hon Weng Chong von Cortical Labs präsentierte ein „biologisches Computer-System“, das aus lebenden Gehirnzellen auf einem Chip besteht, das lernen und reagieren kann – ein potenzieller Weg, um Roboter menschlicher zu machen. Die Olympiade beschränkte sich bewusst auf machbare Aufgaben: Diskus- und Speerwurf waren zu anspruchsvoll, Hochsprung erforderte spezielle Beine, die nicht für Alltagsszenarien geeignet sind. Trotzdem demonstrierten Roboter wie der Booster T1 von Acumino und der G1 von Unitree, dass Fortschritte möglich sind. China positioniert sich als führender Akteur in der Robotik, zeigt Maschinen regelmäßig auf öffentlichen Events, während US-Unternehmen oft auf präzise Videos setzen, die Fehlschläge verbergen. Ausnahmen sind Tesla mit seinem Optimus-Roboter und Boston Dynamics, das mit seinem Hund-Roboter Spot eine Show auf „America’s Got Talent“ abhielt – inklusive eines Ausfalls, der den technischen Herausforderungen auf eindrucksvolle Weise zeigte. Der Ausfall wurde sogar von Jury-Mitglied Simon Cowell als Beweis für die Schwierigkeit gewürdigt. Insgesamt bleibt die Entwicklung humanoider Roboter ein langwieriger Prozess. Liarokapis ist überzeugt: „Der Haushalt ist die letzte Front – das wird mehr als zehn Jahre dauern.“ Doch die Kombination aus realer Erfahrung, biologischen Systemen und internationaler Zusammenarbeit könnte den Weg bahnen. Die Olympiade markiert einen wichtigen Schritt in der Transparenz und Messbarkeit des Fortschritts – ein erster Schritt in Richtung einer Welt, in der Roboter nicht nur im All, sondern auch im Alltag eine Rolle spielen.
