Sanders fordert nationales Baustopp für KI-Datenzentren
Sen. Bernie Sanders hat in einer am Dienstag veröffentlichten Social-Media-Videoansprache eine nationale Tempobremse für den Bau von Künstlicher-Intelligenz-Datenzentren in den USA gefordert. Der demokratische Sozialist aus Vermont, zweifacher Präsidentschaftskandidat, argumentierte, dass die rasant fortschreitende Entwicklung von KI zu schnell voranschreite, um von Gesetzgebern und der Bevölkerung angemessen bewertet und gesteuert zu werden. „Dieser Moratorium wird der Demokratie die Chance geben, mit den tiefgreifenden Veränderungen Schritt zu halten, die wir gerade erleben“, sagte Sanders. Er betonte, dass KI eine der „transformativsten Technologien in der Geschichte der Menschheit“ sei, deren Auswirkungen jedoch nicht allein den reichsten Menschen der Welt vorbehalten bleiben dürften. Sein Anliegen: Die Gesellschaft müsse gemeinsam entscheiden, wie KI entwickelt und eingesetzt wird – nicht nur von einer kleinen Gruppe milliardenschwerer Tech-Unternehmen. Im Gegensatz zu anderen Kritikern auf dem Capitol Hill, die sich auf Regulierung oder ethische Leitlinien konzentrieren, ist Sanders der erste national agierende Politiker, der eine generelle Baustopp-Verordnung für Datenzentren vorschlägt. Diese Infrastruktur ist entscheidend für die Rechenleistung, die moderne KI-Systeme benötigen. Sanders warnte vor drei Hauptrisiken: der monopolartigen Kontrolle durch Tech-Giganten, massiven Arbeitsplatzverlusten durch Automatisierung und einer zunehmenden Entfremdung zwischen Menschen, da Menschen immer mehr Zeit mit Geräten statt mit anderen verbrächten. „Stellen Sie sich eine Zukunft vor, in der Menschen nicht mehr miteinander interagieren, sondern ständig vor Bildschirmen sitzen – ist das die Zukunft, die Sie wollen? Für mich nicht“, sagte er. Obwohl die Aussichten auf Umsetzung gering sind – besonders im Kontext der Politik unter Donald Trump, die den Ausbau von Datenzentren aktiv förderte, um die USA im globalen Wettlauf mit China zu stärken – gewinnt die Skepsis gegenüber KI auf dem Capitol Hill an Boden. Andere Abgeordnete warnen vor einer möglichen KI-Blase, während andere Initiativen zur Einschränkung des Zugangs von Minderjährigen zu KI-Chatbots verfolgen. Sanders’ Forderung markiert eine radikale, aber aufmerksamkeitsstarke Stimme in der Debatte um die soziale und ethische Verantwortung bei der KI-Entwicklung. In der Branche wird die Forderung gemischt aufgenommen. Experten begrüßen die Aufforderung zu einer gründlicheren politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung, kritisieren aber die praktische Umsetzbarkeit eines Baustopps. „Ein Moratorium ist politisch symbolisch, aber wirtschaftlich unrealistisch – die KI-Industrie ist zu tief in die Wertschöpfungsketten eingebunden“, sagt ein Technologie-Analyst von Gartner. Dennoch wird Sanders’ Aufruf als Signalmoment für die Notwendigkeit einer breiteren, inklusiveren KI-Debatte gesehen. Sein Anliegen, die Machtverhältnisse in der Technologieentwicklung zu überprüfen, spiegelt ein wachsendes Unbehagen in der Bevölkerung wider, das sich nicht nur auf die Technik, sondern auf die sozialen Konsequenzen der Digitalisierung konzentriert.
