Alibabas Tsai: Eigentümermentalität und Agilität treiben Innovation
Alibaba-Gründer Joe Tsai hat in einem Interview an der Stanford University zwei entscheidende Eigenschaften genannt, die gute Mitarbeiter ausmachen sollten: ein Eigentümergefühl und Agilität. Laut Tsai, dem Mitbegründer und Vorsitzenden des chinesischen E-Commerce-Riesen, sei es für große Unternehmen wie Alibaba besonders schwierig, kontinuierlich zu innovieren, da sich die Mitarbeiter oft auf ihre festen Rollen konzentrieren und weniger über zukünftige Entwicklungen nachdenken. „Wir haben Phasen durchgemacht, in denen wir aufhörten zu innovieren – und das hat uns als großes Unternehmen beeinträchtigt“, sagte er. Eine getrennte Innovationsabteilung helfe nicht wirklich, betonte er, sondern es gelte vielmehr, einen tiefgreifenden kulturellen Wandel zu initiieren. Der Schlüssel sei ein Eigentümergefühl: Mitarbeiter sollten nicht nur für ihren Vorgesetzten arbeiten, sondern für die Kunden. „Jeder sollte dafür sorgen, dass die Kunden zufrieden sind – nicht der Chef“, so Tsai, wobei er den Ausspruch von Alibas ehemaligem CEO Jack Ma zitierte. Dieses Mindset ermutige dazu, proaktiv zu denken, die Bedürfnisse der Kunden vorherzusehen und neue Lösungen zu entwickeln. Zusätzlich fordert Tsai Agilität als zentrale Voraussetzung für Innovation, besonders in der schnelllebigen Technologiebranche. Da Informationen oft unvollständig seien, müsse man lernen, Entscheidungen auch ohne vollständige Daten zu treffen. „Man muss in der Lage sein, mit unvollständigen Informationen zu arbeiten, eine Entscheidung zu treffen und sich darauf einzulassen. Wenn man sich irrt, muss man schnell umschwenken“, erklärte er. Diese Fähigkeit, schnell zu lernen und sich anzupassen, sei entscheidend, um in einem dynamischen Markt bestehen zu können. In den letzten zwei Jahren hat Alibaba eine bemerkenswerte Wiederbelebung erlebt, getrieben von der strategischen Fokussierung auf Künstliche Intelligenz und der Neuausrichtung seines E-Commerce-Geschäfts. Auf einer Ergebnispräsentation Ende vergangenen Jahres betonte CEO Eddie Wu, dass die Nachfrage nach AI-Technologien nicht durch Hype, sondern durch echte industrielle Anwendungen entsteht. „Wir schaffen es nicht einmal, Schritt zu halten mit der steigenden Kundenanforderung“, sagte Wu und kündigte an, dass in den kommenden drei Jahren weiterhin ein erheblicher Mangel an AI-Ressourcen bestehen werde. Die von Alibaba entwickelten Qwen-Modelle konkurrieren international auf Benchmark-Tests mit führenden AI-Systemen wie GPT oder Claude. Industriebeobachter sehen in Tsais Ansätzen eine klare Antwort auf die Herausforderungen großer Tech-Unternehmen: Innovation muss kulturell verankert sein, nicht nur organisatorisch strukturiert. Alibaba, das in den letzten Jahren mit regulatorischen Herausforderungen und Wachstumsschwierigkeiten zu kämpfen hatte, zeigt nun durch seine AI-Strategie, dass eine tiefgreifende Kulturveränderung und strategische Investitionen wieder Wachstum ermöglichen können.
