Wearables könnten Schwangerschaftsüberwachung revolutionieren
Einfache Fitness-Tracker könnten die Überwachung von Schwangerschaften revolutionieren und frühzeitig auf Komplikationen hinweisen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Scripps Research-Institut haben erste Hinweise dafür gefunden, dass alltägliche tragbare Geräte wie Apple Watch, Garmin oder Fitbit physiologische Veränderungen während der Schwangerschaft – einschließlich Herzfrequenz – überwachen können, die mit hormonellen Schwankungen korrelieren. Die Studie, veröffentlicht in eBioMedicine, zeigt, dass diese Sensordaten die erwarteten Verläufe von Hormonen wie Östrogen, Progesteron und hCG widerspiegeln und möglicherweise einzigartige Muster bei lebenden Geburten erkennen lassen. Dies könnte die kontinuierliche Überwachung der Muttergesundheit vor, während und nach der Schwangerschaft ermöglichen. Zur Datensammlung nutzten die Forscher die digitale Plattform PowerMom, die es Teilnehmenden ermöglichte, freiwillig Daten von ihren eigenen Geräten zu übermitteln – ein Ansatz, der traditionelle klinische Besuche ergänzt. Aus über 5.600 Teilnehmenden wählten die Forscher 108 aus, die Daten von drei Monaten vor der Schwangerschaft bis sechs Monate nach der Geburt bereitstellten. Mit fortgeschrittenen statistischen Methoden konnten sie Muster identifizieren, die sich mit den bekannten Hormonveränderungen decken. Besonders auffällig war die Herzfrequenz: In der Frühphase der Schwangerschaft sank sie zunächst zwischen der fünften und neunten Schwangerschaftswoche, um dann kontinuierlich anzusteigen und kurz vor der Geburt bis zu 9,4 Schläge pro Minute über den Ausgangswert zu erreichen. Nach der Geburt fiel die Herzfrequenz unter den Baseline-Wert und stabilisierte sich erst nach etwa sechs Monaten. Die Forscher validierten diese Korrelationen, indem sie die Sensor-Daten mit bereits veröffentlichten Hormonverläufen verglichen und Modelle entwickelten, die Herzfrequenzveränderungen basierend auf Hormonfluktuationen vorhersagen konnten. In einer explorativen Analyse unterschieden sich Herzfrequenzmuster bei Schwangerschaftsabbrüchen oder Totgeburten deutlich von solchen bei gesunden Schwangerschaften – ein Hinweis auf potenzielle Frühwarnsignale. Obwohl die Ergebnisse noch präliminär sind, könnten tragbare Geräte besonders in Gebieten mit mangelnder Geburtsversorgung („maternal care deserts“) einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der Muttergesundheit leisten. Die Forscher planen, ihre Analysen auf verschiedene demografische, geografische und sozioökonomische Gruppen auszuweiten, um die Allgemeingültigkeit der Muster zu prüfen. Ziel ist es, personalisierte Überwachungssysteme zu entwickeln, die Risikopatientinnen frühzeitig identifizieren und zusätzliche Unterstützung ermöglichen. Zudem sollen zukünftige Studien gleichzeitig wearable-Daten und Blutproben von Teilnehmenden sammeln, um die Beziehung zwischen Hormonen und physiologischen Signalen direkt zu validieren. Die Technologie nutzt bereits vorhandene Geräte, um medizinische Überwachung zu entschlossen und zugänglicher zu machen – ein Schritt hin zu einer datengetriebenen, präventiven Schwangerschaftsversorgung. Industrieexperten sehen in der Studie einen Meilenstein für die digitale Gesundheitsüberwachung. „Dies könnte die Schwangerschaftsversorgung grundlegend verändern, besonders für Frauen ohne Zugang zu regelmäßigen ärztlichen Kontrollen“, sagt ein Experte für digitale Medizin. Die Kooperation zwischen Scripps Research, UC San Diego und der PowerMom-Plattform unterstreicht das Potenzial von Patientenbeteiligung und KI-gestützter Analyse. Wenn die Ergebnisse in größeren Studien bestätigt werden, könnte die Integration von Wearables in die pränatale Versorgung in naher Zukunft Realität werden.
