KI wird Alltag wie Elektrizität verändern – Horowitz warnt vor Sinnkrise
Ben Horowitz, Mitbegründer von Andreessen Horowitz, sieht in künstlicher Intelligenz eine Transformation der Alltagswelt, die vergleichbar ist mit der Einführung der Elektrizität. In einem Gespräch auf der „Ben & Marc Show“ bezeichnete er KI als eine „einmalige, jahrhundertweite technologische Wende“, die so tiefgreifend sein könnte wie die Dampfmaschine oder die Elektrifizierung. Er geht davon aus, dass KI nicht nur Produktivität und Effizienz revolutionieren wird, sondern die Lebensqualität für alle Menschen auf eine bislang unvorstellbare Weise verbessern kann. Insbesondere könnten bisher akzeptierte Probleme wie Krebs, Verkehrsprobleme oder betrügerische Aktivitäten auf großem Maßstab durch KI effektiv angegangen werden. „Ich glaube, das Leben – die Lebensqualität für alle – wird viel, viel besser werden, als es jemals war“, sagte Horowitz. Doch er warnt vor den tiefgreifenden sozialen und existenziellen Konsequenzen einer übermäßigen Entlastung durch KI. Wenn Technologie allzu viele Herausforderungen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsschritte eliminiert, könnte dies zu einem Verlust von Sinn und Orientierung führen. Menschen, die aus ihrer traditionellen Rolle als Erwerbstätige oder Problemlöser entlassen werden, könnten sich in einer Welt ohne sinnstiftende Aufgaben verlieren und sich an „dumme Dinge“ klammern – sei es durch radikale Ideologien, Sucht oder andere Formen von Entfremdung. Horowitz betont damit, dass technologischer Fortschritt nicht automatisch zu einer besseren menschlichen Existenz führt, wenn er nicht von ethischen, gesellschaftlichen und spirituellen Rahmenbedingungen begleitet wird. Seine Einschätzung teilen auch andere Tech-Führer: Elon Musk spricht von einer Zukunft mit „universaler hohem Einkommen“, in der Arbeit optional wird, während Bill Gates an eine drastische Verkürzung der Arbeitszeit denkt. Sam Altman von OpenAI und Dario Amodei von Anthropic erkennen die Gefahr einer Sinnkrise an, sind aber dennoch zuversichtlich, dass Menschen neue Formen der Erfüllung finden werden. Gleichzeitig gibt es eine deutliche Gegenbewegung aus der wissenschaftlichen und investitionspolitischen Gemeinschaft: Geoffrey Hinton, der „Vater der KI“, Stuart Russell von der UC Berkeley, Investoren wie Howard Marks und Forscher Eliezer Yudkowsky warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten, dem Verlust der Bedeutung von Arbeit und in Extremfällen vor einer Bedrohung der menschlichen Existenz durch unkontrollierte KI. Die Debatte spiegelt ein tiefes Spannungsfeld wider: Einerseits die Hoffnung auf eine von KI befreite, reichere und gesündere Welt, andererseits die Angst vor einer Entwurzelung der menschlichen Identität. Horowitz’ Ansicht unterstreicht, dass die wahre Herausforderung nicht die Technologie selbst ist, sondern die Fähigkeit der Gesellschaft, Sinn, Verantwortung und Zusammenhalt in einer Welt zu bewahren, in der KI fast alles kann – außer das Wesen des Menschen zu ersetzen.
