IBM-Chef zweifelt an Rendite von Big-Tech-AI-Ausgaben
IBM-Chef Arvind Krishna hat Zweifel an der wirtschaftlichen Rentabilität der massiven Investitionen von Big Tech in KI-Datenzentren geäußert. Auf der Podcast-Sendung „Decoder“ warnte er davor, dass die derzeitigen Kapitalausgaben für Rechenleistung – insbesondere im Rennen um die künstliche allgemeine Intelligenz (AGI) – nicht zu einer Rendite führen werden. Laut Krishna beläuft sich der Aufwand, ein ein-Gigawatt-Datenzentrum zu füllen, auf rund 80 Milliarden US-Dollar. Bei einer geplanten Kapazität von 20 bis 30 Gigawatt pro Unternehmen ergibt das eine Kapitalkosten-Summe von bis zu 1,5 Billionen Dollar. Die Gesamtkapazität, die weltweit angekündigt wurde, beläuft sich nach seinen Schätzungen auf etwa 100 Gigawatt – was eine Gesamtkapitaleinlage von rund 8 Billionen Dollar bedeuten würde. Krishna betonte, dass diese Summe nicht nur die Investitionen, sondern auch die Zinslasten abdecken müsste. Um die Zinsen allein zu tragen, bräuchte man jährlich rund 800 Milliarden Dollar an Gewinn – eine Zahl, die er für unrealistisch hält. Zudem weist er auf die kurze Lebensdauer der KI-Chips hin: Innerhalb von fünf Jahren müssten sie ersetzt werden, da sie durch technologische Fortschritte obsolet werden. Dieser rasche technologische Wandel, so Krishna, macht die langfristige Wertschöpfung der Investitionen fragwürdig. Auch Investoren wie Michael Burry haben ähnliche Bedenken geäußert, insbesondere hinsichtlich der Abschreibungen bei Nvidia-Aktien, was zu einem Rückgang der KI-Aktienmärkte beigetragen hat. Obwohl OpenAI-Chef Sam Altman in einem Schreiben an die US-Regierung vorgeschlagen hat, jährlich 100 Gigawatt an Energiekapazität hinzuzufügen, und OpenAI selbst Investitionen in Höhe von 1,4 Billionen Dollar plant, teilt Krishna diese Optimismus nicht. „Das ist eine Überzeugung, nicht eine Tatsache“, sagte er, und betonte, dass er die Vision von AGI ohne einen fundamentalen technologischen Durchbruch für extrem unwahrscheinlich hält – mit einer Chance von 0 bis 1 Prozent. Auch andere Tech-Führer äußerten Skepsis: Marc Benioff bezeichnete die AGI-Begeisterung als „hypnotisch“, Andrew Ng sprach von einer „Überhöhung“ des Begriffs, und Mistral-Chef Arthur Mensch nannte AGI eine „Marketingstrategie“. Selbst Ilya Sutskever, Mitbegründer von OpenAI, sagte im November, dass das Zeitalter der Skalierung vorbei sei und neue Forschungsansätze nötig seien. Trotz seiner Zweifel an AGI begrüßt Krishna die aktuellen KI-Tools als Produktivitäts-Booster für Unternehmen und sieht darin einen Wert von „Trillionen Dollar“. Er schlägt jedoch vor, KI-Systeme mit strukturiertem Wissen zu kombinieren, um über die heutigen Sprachmodelle hinauszugehen. Ob dieser Ansatz zum Erfolg führt, bleibt jedoch nach seiner Einschätzung „vielleicht“ – eine zögerliche, aber sachliche Haltung inmitten der hektischen KI-Begeisterung.
