Künstliche Intelligenz treibt Börse und Wachstum, doch viele Unternehmen kämpfen ums Überleben.
Die künstliche Intelligenz (KI) treibt die Börsen und das Wirtschaftswachstum an, doch viele kleine und mittlere Unternehmen kämpfen ums Überleben. Während Tech-Riesen wie Nvidia, Alphabet, Broadcom und Microsoft durch massive KI-Investitionen Milliardenumsätze generieren und die Aktienmärkte in die Höhe treiben, leiden Einzelhändler, Gastgewerbe und Baubetriebe unter steigenden Kosten durch die Zölle der Trump-Administration. Cameron Pappas, Inhaber des Blumenladens Norton’s Florist in Birmingham, Alabama, beschreibt die Realität jenseits der Wall Street: „Wir achten wie ein Adler auf alle Kosten.“ Trotz eines Umsatzes von 4 Millionen Dollar im vergangenen Jahr reduziert er Bouquets um drei bis vier Stiele, um Preise stabil zu halten – ein Beispiel für „Tariff Price Management“. Die KI-Boom-Statistiken täuschen über eine tiefgreifende wirtschaftliche Spaltung hinweg. Laut einer JPMorgan-Chase-Studie trug KI-Infrastruktur im ersten Halbjahr 2025 mit 1,1 Prozentpunkten zum US-Wirtschaftswachstum bei – mehr als der private Konsum. Der Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg im zweiten Quartal 2025 um 3,8 Prozent jährlich, nach einem Rückgang von 0,5 Prozent im ersten Quartal. Doch die Realwirtschaft zeigt ein anderes Bild: Die Fertigung verzeichnet sieben aufeinanderfolgende Monate mit Rückgang, Baugewerbe stagniert oder sinkt aufgrund hoher Zinsen und Zölle auf Baumaterialien, die nach Angaben von Cushman & Wakefield im vierten Quartal um 4,6 Prozent steigen werden. Die Börsen spiegeln diesen Widerspruch wider: Acht Tech-Unternehmen mit einem Marktwert ab 1 Billion Dollar – darunter Nvidia, Microsoft, Apple, Alphabet, Amazon, Meta, Tesla und Broadcom – machen 37 Prozent des S&P 500 aus. Nvidia allein trägt über 7 Prozent zum Index bei. Die Aktien dieser Unternehmen sind in 2025 um bis zu 50 Prozent gestiegen, während der S&P 500 insgesamt um 15 Prozent und der Nasdaq um 20 Prozent zulegte. Gleichzeitig wuchs der Sektorenverband für Konsumgüter und -disziplin um weniger als 5 Prozent. Zugleich häufen sich Warnsignale aus der Realwirtschaft: Target kündigte 1.800 Stellen in der Zentrale, Starbucks plant eine Milliardenrestrukturierung mit Tausenden Entlassungen, und Wyndham Hotels & Resorts verzeichnete ein schwaches Quartal. Auch in der KI-Branche selbst gibt es Entlassungen – Microsoft will 9.000 Jobs streichen, Salesforce und andere nutzen KI zur Rationalisierung. Doch Experten warnen: KI ist kein Sofort-Heilmittel. Hatim Rahman von der Kellogg School der Northwestern University betont: „KI ist kein Plug-and-Play. Sie erfordert Veränderungen in Prozessen, Kultur und Personal – und das dauert.“ Die Verbraucherstimmung ist düster: 57 Prozent der Befragten in einer Deloitte-Umfrage erwarten eine wirtschaftliche Verschlechterung, der höchste negative Ausblick seit 1997. Gen Z plant, 34 Prozent weniger auszugeben, Millennials 13 Prozent weniger. Die saisonale Beschäftigung im Einzelhandel sinkt auf das niedrigste Niveau seit 2009. Insgesamt zeigt sich ein geteilter Wirtschaftsraum: Die KI-Revolution prägt die Zahlen, doch die Mehrheit der Unternehmen kämpft mit steigenden Kosten, sinkendem Konsum und unsicheren Aussichten. Die Wirkung der KI wird sich erst langfristig entfalten – und die Reise dorthin wird „bumpig“ sein.
