Ex-OpenAI-Saleschefin bei Acrew Capital: Fokus auf AI-Moats und Kontext-Strategien
Aliisa Rosenthal, ehemalige Vertriebsleiterin bei OpenAI, tritt als General Partner bei der Venture-Capital-Firma Acrew Capital ein. Nach drei Jahren im AI-Labor, in denen sie maßgeblich an der Entwicklung von Produkten wie DALL·E, ChatGPT, ChatGPT Enterprise und Sora beteiligt war, verließ sie OpenAI vor rund acht Monaten. Ursprünglich nicht auf der Suche nach einer Karriere im VC-Bereich, wurde sie durch Gespräche mit Acrew-Gründerin Lauren Kolodny und deren Vision für die Unterstützung von Startups überzeugt. Statt nur ein einziges Unternehmen bei der Markteinführung zu unterstützen, kann sie nun ein Portfolio von AI-Unternehmen strategisch begleiten. Während ihrer Zeit bei OpenAI erwarb Rosenthal tiefgehende Einsichten in das Kaufverhalten von Unternehmen und die Kluft zwischen den Erwartungen an KI und deren praktischer Umsetzbarkeit. Sie betont, dass OpenAI zwar breit aufgestellt ist – in der Konsum- und UnternehmenskI, sowie im Hardware-Bereich –, aber nicht alle möglichen Anwendungsfelder erschließen wird. Daher sieht sie eine Schlüsselchance für Startups in der Spezialisierung. Besonders wichtig ist ihr dabei der Begriff „Context“: die Fähigkeit von KI-Systemen, kontextuelle Informationen über längere Zeiträume zu speichern und dynamisch zu nutzen. Dies geht über die gängige Methode der Retrieval-Augmented Generation (RAG) hinaus und zielt auf persistente „Context Graphs“ ab. Rosenthal erwartet hier erhebliche Innovationen, insbesondere in den Bereichen Gedächtnis, Reasoning und kontextbasiertes Lernen – Faktoren, die künftig entscheidend für einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil sein werden. Ein weiterer Investitionsfokus liegt auf leistungsfähigen, aber kostengünstigeren Modellen, die nicht unbedingt an den Spitzen der Benchmark-Ranglisten stehen, aber für Unternehmen praktikabel und wirtschaftlich sind. Sie sieht große Potenziale im Anwendungsschicht, also in der Entwicklung nachhaltiger Anwendungen, die KI effizient in Arbeitsabläufe integrieren – besonders im Enterprise-Bereich. Ihre Netzwerke, insbesondere unter ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern, werden ihr dabei helfen, innovative Startups zu finden. Die „OpenAI-Alumni“-Szene hat sich inzwischen stark entwickelt; zahlreiche ehemalige Mitarbeiter gründeten bereits erfolgreich Unternehmen wie Anthropic oder Safe Superintelligence. Rosenthal profitiert zudem von einem wachsenden Trend: Hohe Ex-OpenAI-Manager werden zunehmend zu frühen Investoren. Peter Deng, ehemaliger Leiter Consumer-Produkte bei OpenAI, hat bei Felicis bereits mehrere große Deals abgeschlossen. Rosenthal selbst verfügt über einen besonderen Vorteil: tiefgehende Kontakte zu Unternehmen, die KI-Produkte testen und implementieren. Viele dieser Unternehmen verstehen noch nicht vollständig, was KI leisten kann – ein enormer Innovationsraum, den sie als „grünes Feld“ bezeichnet. In der Branche wird Rosenthals Wechsel als strategisch bedeutsam angesehen. Ihre Kombination aus tiefem Produkt- und Vertriebswissen aus OpenAI, plus Zugang zu Unternehmenskunden und einem starken Netzwerk, macht sie zu einer gefragten Investorenfigur. Acrew Capital, bekannt für seine Fokussierung auf frühe AI- und Tech-Startups, erhält mit ihr eine Expertin, die sowohl technische Tiefe als auch Marktkenntnis mitbringt.
