OpenAI investiert 10 Milliarden in Eigenchip-Entwicklung
OpenAI plant, seine Abhängigkeit von Nvidia-Chips zu verringern, und arbeitet nun eng mit dem US-amerikanischen Halbleiterunternehmen Broadcom zusammen, um eigene KI-Chips zu entwickeln. Laut der Financial Times sollen die maßgeschneiderten Chips ab 2025 in der Produktion gehen und intern von OpenAI für das Training und die Ausführung seiner ChatGPT-Modelle und weiterer KI-Produkte eingesetzt werden. Der Deal wird mit rund 10 Milliarden US-Dollar bewertet – ein Betrag, der auch die jüngste Ankündigung von Broadcom bekräftigt, das Unternehmen habe einen neuen Kunden für seine kundenspezifischen XPU-Designs gewonnen. Obwohl die Medien weltweit davon ausgehen, dass es sich bei diesem Kunden um OpenAI handelt, klärte Broadcom selbst auf, dass der 10-Milliarden-Dollar-Auftrag nicht nur für die Chips, sondern für vollständige Systeme – also gesamte Rechenarchitekturen – gilt. Die Einnahmen aus diesem Vertrag sollen erst ab dem dritten Quartal des Fiskaljahres 2026 fließen. OpenAI, das im März eine Serie-F-Finanzierungsrunde von 40 Milliarden US-Dollar absolvierte und damit eine Bewertung von etwa 300 Milliarden US-Dollar erreichte, hat inzwischen seine Mitarbeiter über eine Sekundäroffering-Möglichkeit mit einem Wert von 10,3 Milliarden US-Dollar an Aktienanteilen auszahlen lassen. Damit stieg die Bewertung auf 500 Milliarden US-Dollar. Dieser Schritt dient jedoch nicht der Finanzierung von Infrastruktur, sondern der liquiden Entlohnung von Mitarbeitern vor einem möglichen Börsengang. Um die ambitionierten Ziele des Stargate-Projekts – einer vierjährigen, 500-Milliarden-Dollar-Initiative zur Erweiterung der KI-Infrastruktur – zu erreichen, muss OpenAI jedoch dringend Kosten senken und die Kontrolle über seine Hardware zurückgewinnen. Die hohe Abhängigkeit von öffentlichen Cloud-Diensten wie Azure, AWS oder Google Cloud ist zunehmend kostspielig. Daher setzen immer mehr Tech-Riesen auf eigene Chips: Google, Amazon und Microsoft entwickeln bereits eigene KI-Hardware. OpenAI folgt diesem Trend, um seine Infrastrukturkosten zu senken und die Lieferketten zu sichern. Selbst bei einem Verlust von fünf Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 und erwarteten Einnahmen von 11,6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 bleibt die finanzielle Lage angespannt – ein Anreiz, in Eigenentwicklung zu investieren. Broadcom profitiert von dieser Entwicklung: Im dritten Quartal stiegen die Umsätze um 22 Prozent auf 15,95 Milliarden US-Dollar, wobei der Gewinn nahezu verdoppelt wurde. Besonders stark wuchs der Bereich der KI-bezogenen Chips, der um 63,4 Prozent auf 5,18 Milliarden US-Dollar anstieg. Davon entfielen 3,37 Milliarden US-Dollar auf AI-Compute und 1,81 Milliarden US-Dollar auf AI-Netzwerkchips. Broadcom rechnet mit einem weiteren Anstieg der KI-Umsätze auf 6,2 Milliarden US-Dollar im vierten Quartal 2025 und erwartet eine signifikante Verbesserung der KI-Einnahmen im Fiskaljahr 2026. Die Zusammenarbeit mit OpenAI ist Teil einer breiteren Strategie, bei der Broadcom bereits mit Google, Meta und ByteDance an maßgeschneiderten XPUs arbeitet. Zusammenfassend zeigt sich: OpenAI baut eine eigene Hardware-Infrastruktur auf, um die Abhängigkeit von Nvidia zu verringern. Broadcom ist hierbei ein zentraler Partner, doch der 10-Milliarden-Dollar-Auftrag bezieht sich nicht nur auf Chips, sondern auf komplette Rechenarchitekturen. Die Entwicklung der Titan-XPU für inferenzbasierte KI-Anwendungen wird OpenAI helfen, seine Kosten zu senken und die Kontrolle über seine KI-Entwicklung zu stärken – ein entscheidender Schritt im Wettlauf um die nächste Generation künstlicher Intelligenz.
