Neues Zentrum nutzt KI, um PTSD-Behandlungen zu verbessern
Ein neues Zentrum, das Center for Responsible and Effective AI Technology Enhancement of Treatments for PTSD (CREATE), soll die Behandlung von Posttraumatischer Belastungsstörung (PTSD) in den USA durch künstliche Intelligenz (KI) revolutionieren. Gemeinsam geleitet von Shannon Wiltsey Stirman, Professorin für Psychiatrie und Verhaltenswissenschaften an der Stanford School of Medicine, und Johannes Eichstaedt, Forschungsprofessor für Psychologie und Faculty Fellow am Institute for Human-Centered AI, zielt das Projekt darauf ab, den Zugang zu wirksamen Psychotherapien zu verbessern – besonders in ländlichen Gebieten und bei öffentlich finanzierten Einrichtungen, die oft unter Ressourcenmangel leiden. PTSD betrifft etwa 7 % der US-Bevölkerung und führt zu erheblichen gesundheitlichen und sozialen Belastungen. Obwohl etablierte Therapien existieren, fehlt es an Fachkräften und Schulungsmöglichkeiten, was den Zugang zu Behandlung erheblich einschränkt. Mit einer Förderung von 11,5 Millionen US-Dollar durch die National Institutes of Health (NIH) entwickelt CREATE große Sprachmodelle (LLMs), die klinische Fachkräfte unterstützen, ohne sie zu ersetzen. Die geplanten Tools umfassen eine KI-gestützte Lernhilfe für Therapeuten, die neue Behandlungsmethoden erlernen, eine App zur Unterstützung von Patienten zwischen den Sitzungen, einen Chatbot zur Planung der Einführung neuer Therapien in Teams und einen virtuellen Coach für anspruchsvolle Einzelfälle. Alle Systeme werden nach strengen Kriterien für Sicherheit, Datenschutz und Wirksamkeit entwickelt. Das Forschungsteam vereint Experten aus Stanford, dem Veterans Affairs National Center for PTSD, dem Palo Alto Veterans Institute for Research, Vanderbilt University, Rush University, der University of Pennsylvania, der University of Texas Health Sciences Center in San Antonio, New York University und Dartmouth. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit umfasst Klinische Psychologie, Implementierungswissenschaft, Informatik, Ethik, Biostatistik und Wirtschaftswissenschaft. Ein zentrales Prinzip ist die verantwortungsvolle Entwicklung: Die KI-Systeme sollen menschliche Therapeuten ergänzen, nicht ersetzen. „Große Sprachmodelle sind noch nicht bereit, allein Therapeuten zu ersetzen, aber sie können Menschen unterstützen, um die Behandlungsqualität zu steigern“, betont Eichstaedt. Engagierte Zusammenarbeit mit PTSD-Betroffenen, Kliniker:innen und Veteranenorganisationen – wie einem Community-Initiative in Philadelphia – stellt sicher, dass die Tools realitätsnah und nutzerzentriert gestaltet werden. Die Stanford-Forscher im CREATE-Team umfassen unter anderem Betsy Stade, Debora Kaysen, Craig Rosen, Jane Kim, Eric Kuhn und Michael Bernstein, der auch am Stanford Human-Centered AI-Institut tätig ist. Ihre Expertise deckt sowohl klinische als auch technische Aspekte ab. Industrieexperten sehen in CREATE einen Meilenstein für die ethische und wirksame Integration von KI in die psychische Gesundheitsversorgung. „Dieses Projekt zeigt, wie interdisziplinäre Forschung mit KI zur Lösung drängender Gesundheitsprobleme beitragen kann“, heißt es von Seiten der Fachcommunity. Mit seinem Fokus auf Verantwortung, Zugänglichkeit und menschliche Mitwirkung könnte CREATE eine Vorbildfunktion für die Anwendung von KI in der Behandlung anderer psychischer Erkrankungen übernehmen.
