Amazon misst, wie oft Ingenieure KI nutzen
Amazon überwacht intensiv, wie oft seine Softwareingenieure Künstliche Intelligenz (KI) nutzen und welchen Einfluss dies auf ihre Produktivität hat. In einem internen Dokument, das dem Nachrichtenportal Business Insider vorliegt, offenbart das Unternehmen, dass die riesige Retail-Sparte namens Stores die Einführung von KI sehr detailliert analysiert. Die Teams verfolgen monatlich, wie viele Ingenieure KI-Tools einsetzen, wie intensiv diese in den Arbeitsalltag integriert sind und ob dies zu messbaren Ergebnissen führt. Ziel ist es, die Geschwindigkeit der Software-Veröffentlichungen in mehr als 2.100 Entwicklungsteams zu verdreifachen und in kleineren, spezialisierten Gruppen um das Zehnfache zu steigern. Diese Fortschritte werden eng vom Senior Leadership Team, der sogenannten S-Team, überwacht. Der Versuch, die KI in die Ingenieurskultur zu verankern, stößt teilweise auf Widerstand. CEO Andy Jassy hatte letztes Jahr Mitarbeiter angewiesen, KI wie eine Automatisierungsinvestition zu behandeln, orforderte aktive Nutzung und warnte vor den Konsequenzen der Nichtanpassung. Die Strategie zielt darauf ab, KI-Tools tief in den gesamten Entwicklungsprozess zu integrieren, anstatt sie nur nachträglich hinzuzufügen. Dennoch gab es interne Kritik über zu starre, von der Spitze diktierte Anweisungen und Überlappungen bei den KI-Bemühungen. Ingenieure berichteten zudem von Komplexität bei der Einarbeitung und einer fehlenden klaren Erfolgsmessung. Als Reaktion darauf plant Amazon Anpassungen. Die Führungsebene verschiebt den Fokus weg von zentralen Mandaten zur Nutzung spezifischer Tools hin zu kooperativen Praktiken. Manuelles Reporting soll durch automatisierte Metriken ersetzt werden, um den Aufwand zu reduzieren. Zudem wird eine zentralisierte Lernplattform entwickelt, um bewährte Verfahren zu bündeln. Ein wichtiges Prinzip bei der Messung ist die Vermeidung von Goodharts Gesetz, wonach eine Metrik ihre Güte verliert, sobald sie zum Ziel wird. Amazon versucht daher, zwischen bloßem Zugang zu Tools und tatsächlicher Nutzung zu unterscheiden. Bereits jetzt zeigt die Adoption Erfolge: Bis Februar hatten rund 60 Prozent der Retail-Ingenieurteams KI-gesteuerte Praktiken angenommen, und Amazon strebt 80 Prozent an. Eigenentwicklungen wie der KI-Asistent AI Teammate, das Tool Pippin für technische Designs und der Code-Assistent Kiro gewinnen an Beliebtheit. Die neuen KI-Native-Engineering-Prinzipien betonen zwar Geschwindigkeit und praktische Anwendbarkeit vor Kostenoptimierung, warnen aber gleichzeitig vor blindem Technologismus. Lösungen müssen auditierbar und transparent sein. Zwar wird nicht jede neue Technologie verfolgt, doch der Grundsatz bleibt, dass KI fest in den täglichen Arbeitsablauf integriert sein soll. Amazon betont abschließend, dass die Teams flexibel bleiben können und der Umgang mit der neuen Technologie auf Debatte und Anpassungsfähigkeit basiert, statt auf starren Vorschriften.
