KI- und Wellness-Apps reichen zur Lösung der mentalen Gesundheitskrise nicht aus
In einer neuen Gesundheitswarnung der American Psychological Association (APA) wird vor der zunehmenden Nutzung von KI-Chatbots und Wellness-Apps zur emotionalen Unterstützung gewarnt. Obwohl immer mehr Menschen – insbesondere jüngere Erwachsene – auf künstliche Intelligenz zurückgreifen, um mit Stress, Angst oder Einsamkeit umzugehen, fehlen nach Ansicht der Experten wissenschaftliche Belege für die Wirksamkeit dieser Tools. Zudem bestehen erhebliche Lücken in der Regulierung, was die Sicherheit und den Datenschutz der Nutzer gefährden kann. Die APA betont, dass KI-gestützte Anwendungen zwar als ergänzende Ressource dienen können, aber keine Ersatz für professionelle psychische Gesundheitsversorgung darstellen. Besonders kritisch sehen die Experten, dass viele Apps emotionale Unterstützung vortäuschen, ohne dass ihre Algorithmen auf psychologischen Grundlagen beruhen oder von Fachleuten validiert wurden. Zudem besteht die Gefahr, dass Nutzer durch fehlerhafte oder unangemessene Antworten verstärkt belastet werden, besonders bei empfindlichen Themen wie Suizidalität oder traumatischen Erfahrungen. Die APA fordert daher eine stärkere Regulierung durch Behörden wie die FDA, eine transparente Darstellung der wissenschaftlichen Grundlagen und die Einhaltung ethischer Standards bei der Entwicklung solcher Technologien. Gleichzeitig rät die Organisation dazu, KI-Tools nur als ergänzende, nicht aber als primäre Hilfsmittel in der psychischen Gesundheitsversorgung zu nutzen. Die Warnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Nachfrage nach digitalen mentalen Gesundheitslösungen stark angestiegen ist – vor allem durch die Pandemie und die zunehmende Digitalisierung des Alltags. Industrieexperten teilen die Bedenken der APA. „Diese Tools können helfen, den ersten Schritt zur Unterstützung zu machen, aber sie sind kein Ersatz für Therapie“, sagt Dr. Lena Müller, Psychologin und Forscherin für digitale Gesundheitslösungen an der Universität Heidelberg. „Die Risiken sind real – falsche Beratung, Datenschutzverletzungen oder das Fehlen von Notfall-Interventionen können schwerwiegende Folgen haben.“ Unternehmen wie Woebot Health oder Talkspace, die bereits KI-basierte Therapie-Apps anbieten, betonen, dass ihre Systeme von Psychologen entwickelt wurden und in klinischen Studien getestet wurden. Dennoch bleibt die Branche weitgehend unreguliert, was die Qualität und Sicherheit der Angebote ungleich macht. Die APA ruft zudem zu mehr Forschung und Transparenz auf, um sicherzustellen, dass digitale Hilfsmittel tatsächlich nutzbringend und sicher sind. Die Zukunft der psychischen Gesundheitsversorgung könnte digital sein – aber nur, wenn sie auf wissenschaftlich fundierten, ethisch verantwortungsvollen und gut regulierten Grundlagen beruht.
