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Abridge und Epic: Partner wird Wettbewerber im AI-Boom

Abridge, ein führendes AI-Startup im Gesundheitswesen, befindet sich an einem kritischen Scheideweg: Wenige Jahre nach einer strategischen Partnerschaft mit dem EHR-Riesen Epic Systems, die das Unternehmen zu einem der begehrtesten Tech-Unternehmen im Gesundheitssektor machte, steht Abridge nun vor der Herausforderung, sich gegen seinen früheren Partner und früheren Investor zu behaupten. 2023 vereinbarte Abridge eine enge Integration mit Epics Software, was den Zugang zu Tausenden von Krankenhäusern ermöglichte und den Weg für eine Finanzierungsrunde von über 700 Millionen Dollar ebnete. Mit einer Bewertung von 5,3 Milliarden Dollar und Kunden wie Kaiser Permanente, Mayo Clinic und Johns Hopkins Medicine war Abridge auf dem Weg zum Marktführer im Bereich künstlicher Intelligenz für medizinische Dokumentation. Epic erwarb damals einen einstellig Prozentanteil an Abridge, der nach Angaben mehrerer Quellen Anfang 2024 verkauft wurde. Doch im August 2024 kündigte Epic an, eigene AI-Tools für die automatische Transkription und Zusammenfassung von Arzt-Patienten-Gesprächen zu entwickeln – direkt in der Kernkompetenz von Abridge. Diese Ankündigung stellt das gesamte Geschäftsmodell von Abridge in Frage, da Epic mit seinem Marktdominanzanteil von 42 Prozent in den US-amerikanischen Krankenhäusern über eine unerreichte Reichweite verfügt. Die neue Strategie folgt einem Muster, das Epic bereits bei Telemedizin, Messaging und CRM-Tools gezeigt hat: Erst Partnerschaft, dann direkte Konkurrenz. Die Partnerschaft mit Microsoft, über die Nuance-Technologie zur Spracherkennung genutzt wird, beschleunigt den Aufbau von Epics eigenem „AI-Scribe“-System, das 2026 in einer ersten Version erscheinen soll. Abridge versucht, den Balanceakt zwischen Kooperation und Wettbewerb zu meistern. Das Unternehmen betont weiterhin die enge Zusammenarbeit mit Epic und bestätigt die Integration in die Plattform. Doch die Stimmung unter Investoren ist gemischt. Während einige glauben, dass Abridge durch seine technologische Überlegenheit und frühzeitige Marktdurchdringung vorerst vor einer Überholung durch Epic geschützt sei, warnen andere vor einer „Kampfzone“ im Gesundheits-IT-Markt. Viele kleinere AI-Startups, die nun unter Epics Schatten stehen, könnten aufgekauft oder aus dem Markt gedrängt werden, was Abridge neue Akquisitionsmöglichkeiten eröffnet. Die Reaktionen von Branchenexperten sind skeptisch: „Epic will, dass jeder Krankenhaus, das Epics System nutzt, auch Epics AI-Scribe nutzt – das ist unvermeidlich“, sagt Bryan Roberts von Venrock. Auch Carl Byers von F-Prime Capital sieht die Gefahr in der bloßen Ankündigung: „Keiner wird gefeuert, weil er IBM gewählt hat – und genau das könnte Epic sein.“ Abridge reagiert mit einem strategischen Ausbau: Neue Produkte im Bereich Revenue Cycle Management, Partnerschaften mit Konkurrenten wie Cerner und Athenahealth sowie mögliche Übernahmen sollen die Abhängigkeit von Epic verringern. Gleichzeitig steht das Unternehmen unter wachsendem Druck – nicht nur aus dem Markt, sondern auch aus der Regulierung. Zwei Antitrust-Klagen gegen Epic, die Behauptungen über Wettbewerbsverzerrung enthalten, erhöhen die Unsicherheit. Trotz der Spannungen bleibt die Beziehung zwischen Abridge und Epic komplex: befreundet, aber wettbewerbsorientiert. Abridge-Insider argumentieren, dass eine Zusammenarbeit weiterhin im Interesse beider Parteien liegt. Doch die Realität ist klar: In der raschen Entwicklung der Gesundheits-KI wird die Rolle des Partners schnell zur Rolle des Rivalen – und Abridge muss sich schnell neu erfinden, um nicht in die Schatten des Riesen zu geraten.

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