Langsame AI-Entwicklung: Investoren hinter Forschung um Jahre
Ein jahrelanger Rückstand in der KI-Hype-Zyklus, so die Ansicht von Jenny Xiao, Mitbegründerin von Leonis Capital und ehemalige Forscherin bei OpenAI. Laut ihr sind Investoren derzeit mit Forschungsergebnissen beschäftigt, die bereits drei bis fünf Jahre alt sind – ein erheblicher Zeitverzug, der die aktuelle Begeisterung für KI nicht mehr mit dem technischen Fortschritt im wissenschaftlichen Bereich korreliert. In einem Gespräch im Fortune-Magazin-Podcast betonte Xiao, dass der Abstand zwischen der Forschungsszene und den Investoren „massiv“ sei. Was auf den größten KI-Konferenzen diskutiert wird, reflektiert nicht das, was Wissenschaftler bereits im Labor oder in den Laboren der führenden Institute vorantreiben. Xiao, die ihren Doktorandenplatz in Wirtschaftswissenschaft und KI abbrach, um bei OpenAI als Forscherin tätig zu werden, gründete 2021 Leonis Capital mit dem Ziel, die Kluft zwischen akademischer Spitzenforschung und Venture Capital zu überbrücken. Sie argumentiert, dass die KI-Revolution eine neue Generation von Gründern und Investoren erfordere – nicht nur technisch versierte Gründer, sondern auch VC-Investoren, die die Technologie tief verstehen. Anders als bei SaaS-Unternehmen, die auf stabiler, gut etablierter Technologie basieren, entwickelt sich KI rasant und unvorhersehbar. Daher müsse die Investitionslandschaft sich anpassen: VCs müssten nicht nur Kapital bereitstellen, sondern auch technische Einsicht und strategische Unterstützung bieten. Ein zentrales Anliegen von Xiao ist, dass Investoren das wahre Muster des KI-Fortschritts verstehen: Er verläuft nicht linear, sondern in „Sprüngen“ – plötzliche Durchbrüche, gefolgt von längeren Phasen des Ausprobierens und Verfeinerns. „AI-Progress ist weder konstant beschleunigt noch stagnierend“, sagt sie. „Es liegt irgendwo dazwischen.“ Daher seien Fragen nach einer Verlangsamung oder Beschleunigung der Entwicklung verfehlt. Stattdessen müsse man auf kritische Meilensteine achten, wie neue Architekturen, Trainingsskalen oder emergente Fähigkeiten. Leonis Capital positioniert sich als investorisch-technische Brücke, die frühzeitig in KI-Startups investiert, die auf fundamentalen wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren. Obwohl das Unternehmen auf Anfrage von Business Insider keine Stellungnahme abgab, steht die Vision von Xiao für eine tiefere Integration von Wissenschaft und Kapital in der KI-Industrie. Industrieexperten sehen in Xios Ansatz eine notwendige Reaktion auf die zunehmende Komplexität der KI-Entwicklung. „Die alten Modelle des Venture Capital funktionieren bei KI nicht mehr“, sagt ein KI-Experte aus dem Silicon Valley. „Die nächsten Jahre werden entscheidend dafür sein, wer die technische Tiefe mit strategischer Investitionskraft verbinden kann.“ Leonis Capital steht damit für eine neue Ära des KI-Investments – weniger auf Hype, mehr auf Fundament.
