Meta will AI-Cloud für Regierungen werden
Meta Platforms ist auf dem Weg, sich von einem sozialen Netzwerk zu einem globalen Akteur im Bereich künstlicher Intelligenz zu wandeln – nicht als klassischer Cloud-Anbieter, sondern als Plattform für souveräne AI-Infrastrukturen. Getrieben von der GenAI-Revolution will das Unternehmen, angeführt von CEO Mark Zuckerberg, innerhalb der nächsten Jahre Dutzende von Gigawatt an KI-Rechenleistung aufbauen, um „persönliche Superintelligenz für Milliarden“ zu ermöglichen. Dazu gründete Meta die neue Organisation „Meta Compute“, die als Schnittstelle zwischen der Technologie des Unternehmens und staatlichen Akteuren wie Regierungen, staatlichen Fonds und strategischen Partnern fungieren soll. Obwohl Meta keine IaaS-Cloud wie AWS, Azure oder Google Cloud ist, plant es, durch Partnerschaften mit souveränen Akteuren Rechenkapazitäten, Speicher und Netzwerke bereitzustellen – sowohl für eigene Open-Source-Modelle wie Llama als auch für proprietäre KI-Systeme Dritter. Ein Schlüssel für diesen Wandel ist die strategische Einstellung von Dina Powell McCormick als Präsidentin und Vize-Vorsitzende. Ihre umfangreichen politischen und finanziellen Netzwerke – von der Bush- bis zur Trump-Administration, Erfahrung bei Goldman Sachs, der Beteiligung an der Börsennotierung von Saudi Aramco und der Leitung des Sovereign-Fund-Geschäfts – machen sie zur idealen Verbindung zwischen Meta und globalen Machtzentren. Gleichzeitig wird der technische Fokus durch Führungskräfte wie Santosh Janardhan, Leiter der globalen Infrastruktur, und Daniel Gross, neu im Superintelligence Lab, gestärkt. Gross übernimmt die strategische Planung für Langzeit-Kapazitäten und Lieferketten, während Janardhan die technische Architektur, den Silicon-Entwicklungsprogramm und die Betriebsoptimierung der weltweiten Rechenzentren leitet. Ein entscheidender Wettbewerbsvorteil könnte die Entwicklung eigener Chips sein. Meta hat im vergangenen Jahr Rivos, einen Hersteller von RISC-V-Prozessoren, übernommen und arbeitet an eigenen MTIA-Acceleratoren für Training und Inference. Dies ist eine direkte Antwort auf die hohen Kosten von Nvidia- und AMD-Chips, die Meta nicht nachhaltig tragen kann. Die Strategie folgt dem Prinzip des Open Compute Projects: Effizienz durch offene Standards, maßgeschneiderte Hardware und tiefgreifende Systemoptimierung. Auch die Übernahme des Scale-AI-Teams um Alexandr Wang – ein Experte für die industrielle Nutzung von Llama und Claude – unterstreicht den Fokus auf die Integration von KI-Modellen in industrielle und staatliche Anwendungen. Zuckerberg behält die Kontrolle über die strategische Ausrichtung: Mit 61 Prozent der Stimmrechte verfügt er über entscheidendes Mitspracherecht. Die Finanzierung des Projekts wird nicht allein aus Werbeeinnahmen stammen. Obwohl Meta für 2025 Schätzungen von 200 Milliarden US-Dollar Umsatz und 75 Milliarden US-Dollar Gewinn erwartet, sind die Investitionen in Hunderte von Gigawatt Rechenleistung in der Größenordnung von Trillionen. Daher will Meta nicht nur Dienstleistungen anbieten, sondern auch Kapital von Dritten mobilisieren – etwa durch die Finanzierung von Rechenzentren, die dann für fremde Modelle genutzt werden. Industriebeobachter sehen in dieser Entwicklung eine neue Form der digitalen Souveränität: Meta positioniert sich nicht als Cloud-Anbieter, sondern als „AI-Infrastruktur-Partner für Souveräne“. Dies könnte den Weg für eine globale KI-Ökonomie bahnen, in der technologische Macht und politische Einflussnahme eng verzahnt sind. Die Fähigkeit, mit staatlichen Akteuren zu kooperieren, während man technologische Eigenständigkeit aufbaut, macht Meta zu einem einzigartigen Akteur – nicht nur im Tech-Sektor, sondern im geopolitischen Raum.
