Microsoft bevorzugt Anthropic in Visual Studio Code und Microsoft 365
Microsoft integriert eine automatische Auswahl von KI-Modellen in Visual Studio Code, die je nach Nutzung den optimalen Modell für Leistung auswählt. Für kostenlose GitHub Copilot-Nutzer stehen unter anderem GPT-5, GPT-5 mini und Claude Sonnet 4 zur Verfügung, während Abonnenten primär auf Claude Sonnet 4 zurückgreifen sollen. Dies deutet darauf hin, dass Microsoft Anthropics Modell gegenüber OpenAIs neuestem GPT-5 bevorzugt – insbesondere im Bereich Softwareentwicklung. Quellen aus dem Unternehmen bestätigen, dass bereits seit Monaten interne Entwickler angewiesen wurden, Claude Sonnet 4 als bevorzugte Plattform zu nutzen. Julia Liuson, Leiterin der Microsoft-Entwicklerabteilung, gab im Juni in einem internen E-Mail-Verteiler an, dass Claude Sonnet 4 aufgrund interner Benchmarks die empfohlene Wahl für GitHub Copilot sei – eine Empfehlung, die auch nach der Veröffentlichung von GPT-5 unverändert blieb. Parallel dazu plant Microsoft erhebliche Investitionen in eigene KI-Modelle. In einer internen Townhall erklärte AI-Chef Mustafa Suleyman, dass das Unternehmen einen eigenen Rechencluster aufbaut. Derzeit basiert das MAI-1-preview-Modell noch auf nur 15.000 H100-GPUs – ein vergleichsweise kleiner Cluster, der jedoch als Ausgangspunkt für zukünftige Skalierung dient. Diese Strategie zeigt, dass Microsoft nicht allein auf externe Partner wie OpenAI setzt, sondern einen eigenen Weg in der KI-Entwicklung beschreitet. Zusätzlich wird Anthropic auch in Microsoft 365 integriert: Laut „The Information“ wird der Microsoft 365 Copilot künftig teilweise auf Modellen von Anthropic basieren. Grund dafür sind Tests, die ergaben, dass einige Anthropic-Modelle in Anwendungen wie Excel und PowerPoint sogar besser abschneiden als OpenAI-Modelle. Trotz dieser Entwicklung bleibt die Partnerschaft mit OpenAI weiterhin stark. Vor Kurzem wurde ein neues Abkommen zwischen Microsoft und OpenAI bekannt, das den Weg für eine mögliche Börsennotiz des KI-Startups ebnen könnte. Microsoft hat seit 2019 mehr als 13 Milliarden US-Dollar in OpenAI investiert und verfügt über ein komplexes Revenue-Sharing-Modell. Zudem erlaubt Microsoft nun, dass OpenAI auch auf Konkurrenz-Cloud-Anbieter zugreift – ein Zeichen für eine zunehmende Diversifizierung der KI-Strategie. Die neue Ausrichtung von Microsoft deutet auf eine strategische Differenzierung hin: Während OpenAI weiterhin ein zentraler Partner bleibt, setzt Microsoft verstärkt auf eigene Entwicklungen und externe Modelle, die sich in bestimmten Anwendungsfällen als überlegen erweisen. Industriebeobachter sehen darin einen Wandel im KI-Ökosystem: „Microsoft nutzt nun mehrere KI-Quellen, um die bestmögliche Leistung zu erzielen – das ist kein Rückschritt, sondern eine Reifung der Strategie“, sagt ein Analyst von Gartner. Anthropic profitiert von der stärkeren Integration, während OpenAI unter Druck steht, seine technische Überlegenheit zu beweisen. Microsoft positioniert sich damit als KI-Plattform, die nicht auf einen einzigen Anbieter angewiesen ist – eine Entwicklung, die sowohl für Entwickler als auch für die Zukunft der KI-Integration in Enterprise-Software von großer Bedeutung ist.
