Klarna übertroffen Umsatzprognosen nach IPO, CEO sieht Wachstumspotenzial
Klarna hat in seiner ersten Quartalsbilanz nach dem Börsengang im September die Erwartungen der Analysten übertroffen und ein starkes drittes Quartal verzeichnet. Der Umsatz stieg deutlich, während die Zahl der aktiven Kunden sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum verdoppelte, was CEO Sebastian Siemiatkowski auf die verstärkte Nutzung von „fair financing“ zurückführte. Gleichzeitig wuchs die Anzahl der angeschlossenen Händler um 38 Prozent auf 850.000, blieb aber mit nur etwa einem Fünftel der potenziellen Kundenbasis noch weit hinter dem Potenzial zurück – ein Bereich, den Siemiatkowski als „riesige Chance“ bezeichnete. Er betonte, dass Klarna sich zunehmend als Dienstleister verstehe, der Nutzern Zeit, Geld und finanzielle Kontrolle verschafft, und nicht nur als Zahlungsdienstleister. Um diese Wahrnehmung zu stärken, setzt das Unternehmen auf eine Kombination aus KI und menschlicher Beratung. Trotz des Umsatzwachstums sank der durchschnittliche Umsatz pro aktiven Kunden um etwa 10 Prozent, was auf eine strategische Ausweitung der Kundenbasis und geringere Preise bei Finanzierungsangeboten zurückzuführen ist. Die Aktie, die vor zwei Monaten an der New York Stock Exchange notiert wurde, hat seit ihrem Hoch mehr als ein Drittel an Wert verloren. Dieser Rückgang spiegelt die allgemeine Unsicherheit auf den Märkten wider, die durch wachsende Sorgen über eine mögliche KI-Blase, gestiegene Zinsen und ein Abschwächen der Konsumausgaben belastet ist. Siemiatkowski bestätigte, dass sich bislang keine signifikanten Veränderungen im Zahlungsverhalten oder in der Kreditrückzahlung zeigten, betonte aber, dass das Unternehmen die Auswirkungen der KI-Transformation auf die Arbeitswelt genau beobachtet. Klarna hat in den vergangenen Jahren massiv in Künstliche Intelligenz investiert. Laut Siemiatkowski hat die KI zusammen mit natürlicher Mitarbeiterfluktuation – die bei bis zu 20 Prozent liegt – dazu beigetragen, die Belegschaft um 40 Prozent zu reduzieren, ohne die Servicequalität zu beeinträchtigen. Die durchschnittliche Bearbeitungszeit für Kundenservice-Anfragen ist auf unter zwei Minuten gesunken. Dabei warnte Siemiatkowski davor, ausschließlich auf Automatisierung zu setzen: „Ein Fehler wäre, nur KI oder Roboter einzusetzen – der menschliche Kontakt hat enorme Wert.“ Die Strategie, KI als Werkzeug zur Effizienzsteigerung und nicht als Ersatz für menschliche Interaktion einzusetzen, teilen auch Unternehmen wie Palantir, Salesforce und Amazon, die ähnliche Kostensenkungen durch KI-Integration vornehmen. Klarna positioniert sich damit als Beispiel dafür, wie digitale Transformation mit Kundennähe vereinbar ist – ein Ansatz, der im zunehmend wettbewerbsintensiven Fintech-Umfeld entscheidend sein könnte.
