AI-Dating-Startup Keeper hebt 4 Mio. Dollar ein und verspricht Seelenverwandte
Dating-Startup Keeper, gegründet 2022 und geleitet von CEO Jake Kozloski, positioniert sich mit künstlicher Intelligenz als revolutionärer Akteur im Online-Dating-Markt. Das Unternehmen behauptet, mithilfe von Algorithmen und großen Sprachmodellen (LLMs) nicht nur passende Partner zu finden, sondern auch klarzustellen, wer tatsächlich ein „Seelenverwandter“ sein könnte – und wer nicht. Im Oktober 2024 sammelte Keeper 4 Millionen US-Dollar in einer Pre-Seed-Runde, angeführt von Lightbank und Lakehouse Ventures, mit Beteiligung von Goodwater Capital und Champion Hill Ventures. Investoren sehen in der KI eine Wende im Dating-Sektor und eine Chance, etablierte Anbieter wie Tinder oder Bumble herauszufordern. Keeper unterscheidet sich von herkömmlichen Dating-Apps durch eine tiefgreifende Onboarding-Prozess, bei dem Nutzer nicht selbst Profile erstellen, sondern ein umfassendes Profil auf Basis von Daten wie SAT-Ergebnissen, Berufswünschen, Einkommen, Vermögen und externen Persönlichkeitstests erhalten. Anschließend folgen 13 Schritte, darunter die Präsentation von Fotos und die Formulierung einer Philosophie über Liebe. Zunächst werden mithilfe eines nicht-AI-Algorithmus potenzielle Kandidaten auf Basis von Altersgruppen und strukturellen Kriterien eingeschränkt. Danach greift die KI, insbesondere LLMs, ein, die auf Erkenntnissen aus dem Matching-Prozess trainiert wurden, um die letzte Auswahl zu treffen. Die KI analysiert auch sogenannte „allgemeine Attraktivität“ und spezifische Merkmale wie Haarfarbe oder Glatze. Zurzeit beschränkt sich Keeper auf heterosexuelle Paare, da die Entwicklung spezifischer Algorithmen für homosexuelle Beziehungen noch ansteht. Kozloski begründet dies mit dem Ziel, zunächst ein Produkt-Markt-Alignment für die Kernzielgruppe zu erreichen, die er als stärkeren Markt für langfristige Partnerschaften ansieht. Die Plattform arbeitet zudem mit Forschern der Stanford University zusammen, die anonymisierte Nutzungsdaten zur Verbesserung der KI-Modelle nutzen. Ein zentrales Merkmal ist die einzigartige Zahlungsstruktur: Frauen nutzen die Plattform kostenlos, während Männer pro Date 5.000 US-Dollar zahlen – diese Summe wird auf ein „Heirats-Bounty“ von 50.000 US-Dollar angerechnet. Sollte der Mann innerhalb der vertraglich festgelegten Frist heiraten, wird der Betrag fällig. Laut dem Pitch-Deck hat Keeper bislang 14 Millionen US-Dollar an solchen Verträgen eingesammelt. In einer zukünftigen, vollautomatisierten Version soll die Date-gebühr auf 250 US-Dollar sinken, das Heirats-Bounty auf 5.000 US-Dollar. Bislang haben sich über 1,5 Millionen Menschen registriert, etwa 300.000 haben ein vollständiges Profil erstellt. In der Beta-Phase führten 10 % der Dates zu Verlobungen, was Keeper als Beleg für die Genauigkeit seiner KI-Modelle anführt. Die Plattform betont zudem eine wachsende Netzwerkwirkung und reagiert auf den Rückgang der Eheschließungsraten, wobei sie sich in der Diskussion um die „Ehekrise“ und die Fertilitätsdebatte positioniert, ohne explizit Kinderwunsch als Voraussetzung zu verlangen. Industrieanalysten sehen in Keeper ein riskantes, aber potenziell disruptives Modell. Die hohe Preisklasse und die KI-basierte Personalisierung könnten sich als Nischenlösung bewähren, doch die Skalierbarkeit und Akzeptanz bei einer breiteren Öffentlichkeit bleiben fraglich. Die Kombination aus psychologischer Tiefe, technologischer Präzision und einer marktunüblichen Monetarisierung macht Keeper zu einem der aufsehenerregendsten Startups im Dating-Sektor.
