AI treibt Produktivität – Arbeitsplätze in Gefahr
Künstliche Intelligenz (KI) wird in den USA nicht primär als Instrument zur Kostensenkung eingesetzt, sondern als Treiber für Produktivität und Wachstum – dennoch zeichnet sich bereits jetzt ein beschleunigter Abbau von Arbeitsplätzen ab, wie eine neue Analyse von Goldman Sachs zeigt. Die Studie basiert auf einer Umfrage unter 105 Bankern von Goldman Sachs, die Unternehmen aus verschiedenen Branchen betreuen. Ergebnis: Fast die Hälfte der Bankenkunden nutzt KI bereits, um Umsatz und Effizienz zu steigern, während nur ein Fünftel die Technologie vor allem zur Kosteneinsparung einsetzt. Dennoch sind bereits erste Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte spürbar: Lediglich zehn Prozent der Unternehmen haben bisher durch KI-Stellen abgebaut, doch fast ein Drittel der Banker, die Tech-, Medien- und Telekommunikationsunternehmen betreuen, beobachten bereits frühe Anzeichen von Beschäftigungsdruck. Die Analysten von Goldman Sachs prognostizieren eine Reduktion der Belegschaft um 4 Prozent innerhalb des nächsten Jahres und bis zu 11 Prozent innerhalb von drei Jahren. Besonders betroffen sind Bereiche wie Kundenservice, wo 80 Prozent der Befragten KI-getriebene Stellenkürzungen erwarten. Auch administrative Positionen (49 Prozent) und IT- sowie Ingenieurrollen sind gefährdet. Als Maßnahmen sehen die Banker vor allem Einstellungsstopp und natürliche Fluktuation, doch 26 Prozent erwarten auch direkte Entlassungen oder umfassende Umstrukturierungen. Die Erkenntnisse kommen zu einem Zeitpunkt, an dem Unternehmen weltweit immer schneller von technologischen Umbrüchen betroffen sind. So kürzte der Tech-Riese Amazon kürzlich 14.000 Stellen – der CEO Andy Jassy nannte als Grund „kulturelle Passung“, nicht KI oder Kosteneinsparung. Dennoch unterstreicht die Timing der Entlassungen, wie tiefgreifend Technologie die Arbeitswelt verändert, auch jenseits klassischer Rationalisierungsziele. Goldman Sachs betont, dass die hohe und weiter steigende KI-Adoption – aktuell 37 Prozent der Kunden nutzen KI im Produktionsbetrieb, deutlich über dem 9,9 Prozent des US Census Bureau – ein tiefgreifendes wirtschaftliches und gesellschaftliches Umfeld schafft. Die Prognose: 50 Prozent der Unternehmen werden KI in einem Jahr nutzen, bis 2027 sogar 74 Prozent. Dennoch bleiben viele Unternehmen vorsichtig: 61 Prozent der Banker sehen KI noch als „zu frühe Technologie“ für breite Einführung, 47 Prozent berichten von Mangel an internen Experten. Insgesamt unterstreicht die Studie, dass KI nicht nur eine technologische, sondern eine strukturelle Herausforderung für den Arbeitsmarkt darstellt. Die Erwartungen an eine rasche Veränderung der Beschäftigungslandschaft sind hoch – und die ersten Schritte sind bereits getan. Die Branche sieht in der Entwicklung eine historische Wende: KI wird nicht nur Prozesse automatisieren, sondern die Rolle von Menschen in Unternehmen grundlegend neu definieren. Unternehmen, die nicht schnell genug anpassen, riskieren Wettbewerbsnachteile. Gleichzeitig steigt der Druck auf Bildungssysteme und Politik, qualifizierte Arbeitskräfte für die KI-Ära zu schulen. Die KI-Revolution ist in vollem Gange – und die Folgen für die Arbeitswelt sind unvermeidbar.
