Feuerwehr-Revolution: AI-gesteuerte Systeme für intelligente Ressourcensteuerung
Sunny Sethi, Gründer von HEN Technologies, hat mit einem ungewöhnlichen Hintergrund – Nanotechnologie, Solarenergie, Halbleiter und Automobilindustrie – ein Unternehmen geschaffen, das die Feuerwehrbranche grundlegend verändern könnte. Nach seinem Doktortitel an der University of Akron und Erfolgen bei ADAP Nanotech und SunPower wechselte er 2013 in die Bay Area. Dort wurde er durch die zunehmenden Wildbrände in Kalifornien, insbesondere den Camp Fire 2018, zur Handlung motiviert. Als er während einer Evakuierung von seiner Familie getrennt war, erhielt er von seiner Frau die klare Ansage: „Du bist kein richtiger Wissenschaftler, wenn du das nicht änderst.“ Diese Herausforderung führte 2020 zur Gründung von HEN Technologies in Hayward. Mit Förderung durch die National Science Foundation erforschte Sethi die Physik der Feuerbekämpfung, insbesondere die Wirkung von Wassertröpfchen und Wind auf die Effizienz von Schläuchen. Das Ergebnis: ein intelligenter Strahl, der die Wasserverteilung präzise steuert, die Suppression um bis zu 300 % steigert und 67 % weniger Wasser verbraucht. Der Fokus lag nicht nur auf dem Nozzle, sondern auf einem integrierten System: HEN entwickelte smarte Geräte – von Ventilen bis zu Sprinklern – mit eingebauten Sensoren und Rechenleistung, darunter Chips von Nvidia Orion Nano. Diese Geräte sind Teil einer Cloud-Plattform, die Echtzeitdaten über Wasserfluss, Druck, Wetter und GPS-Position sammelt. Dadurch entsteht ein digitales Abbild der Feuerbekämpfung, das bei Ressourcenknappheit – wie bei der Palisades- oder Oakland-Feuer – entscheidend sein kann. Die Plattform ermöglicht präventive Entscheidungen, etwa vor Windwechseln oder Wassermangel. HEN arbeitet eng mit dem DHS-NERIS-Programm zusammen, das prädiktive Analytik in Notfalloperationen fördert – doch dafür braucht es zuverlässige Daten, die HEN durch seine Hardware sammelt. Seine Vertriebsstrategie ist herausfordernd: Der Markt ist B2B, aber die Entscheidung trifft der Endnutzer – der Feuerwehrmann. Dennoch gelang HEN ein beeindruckender Aufstieg. Nach dem Markteinstieg im zweiten Quartal 2023 mit 10 Feuerwehren und 200.000 US-Dollar Umsatz stieg der Umsatz 2024 auf 1,6 Millionen, 2025 auf 5,2 Millionen und wird 2026 auf 20 Millionen geschätzt. Mit 1.500 Kunden in 22 Ländern, einschließlich militärischer Einrichtungen wie US Army, NASA und Abu Dhabi Civil Defense, sowie 120 Distributoren und GSA-Zulassung, ist HEN auf Wachstumskurs. Der Kern des Geschäfts liegt nicht nur im Verkauf von Geräten, sondern in der Datenansammlung. Jede Feuereinsatzstelle liefert hochspezifische, multimodale physikalische Daten über Wasserstrahlen, Druckverhältnisse und Branddynamik – wertvolle Rohstoffe für KI-Modelle, die physikalische Welten simulieren. Diese Daten sind unersetzlich für die Entwicklung von Roboter- und Vorhersagemodellen. Investoren erkannten das Potenzial: Mit einer 20-Millionen-Dollar-Series-A-Runde und 2 Millionen Venture Debt von Silicon Valley Bank hat HEN mittlerweile über 30 Millionen Dollar gesammelt. Die Firma beschäftigt 50 Menschen, darunter ehemalige Adobe-, Tesla-, Apple- und NASA-Mitarbeiter. Sethi sieht die Zukunft nicht in der Hardware, sondern in der Datenplattform – und plant, bald mit der Monetarisierung der Anwendungssoftware zu beginnen. Sein Ziel: Ein „AI-Goldgrube“ aus realen, extremen Einsatzbedingungen, die andere Unternehmen mit hohem Aufwand nicht nachbilden können. In der Branche wird HEN als Pionier gesehen. „Sie sind die ersten, die echte Physik-Daten aus Feuerkämpfen sammeln“, sagt ein Experte für Notfalltechnologie. Andere Unternehmen wie IDEX oder First Due arbeiten in Teilbereichen, aber kein Konkurrent bietet das komplette System aus intelligenten Geräten, Cloud-Plattform und prädiktiver Analytik. Die Herausforderung bleibt die Skalierung – doch mit der richtigen Teamstruktur und der strategischen Datenstrategie ist HEN auf Kurs, die Feuerwehrbranche in die digitale Ära zu führen.
