Figure AI baut nach Angaben von CEO Adcock eine neue Roboterspezies
Figure AI-Chef Brett Adcock willt mit seiner Firma nicht einfach nur Roboter bauen, sondern eine neue Lebensform erschaffen. In einem Gespräch mit Salesforce-Chef Marc Benioff auf der jährlichen Dreamforce-Konferenz stellte Adcock seine visionäre Vorstellung vor: die Entwicklung einer selbst reproduzierenden Roboter-Art, die sich im Weltraum vermehren und Ressourcen nutzen kann – ein Konzept, das an die von John von Neumann postulierten „selbstreplizierenden Proben“ erinnert. Laut Adcock könnten solche Roboter auf fremden Planeten Methan abbauen, sich selbst replizieren und so die Galaxis kolonisieren. „Wir bauen hier eine neue Spezies“, sagte er, wobei er sich an den Science-Fiction-Roman We Are Legion (We Are Bob) von Dennis E. Taylor anlehnt. Er ist überzeugt, dass dies innerhalb seines Lebenszeitraums Realität werden könnte. OpenAI hat bereits 5 Millionen US-Dollar in Figure AI investiert, und CEO Sam Altman teilt diese Ambitionen. In einem Bloomberg-Interview im Mai sagte er, dass Roboter, die menschenähnlich agieren und alltägliche Aufgaben übernehmen, „nicht mehr weit entfernt“ seien – ein Moment, der „sehr sci-fi“ wirken werde. Doch die Entwicklung humanoider Roboter ist kein Einzelkampf. Tesla-Chef Elon Musk, der mit Altman im Streit liegt – nachdem Musk OpenAI 2024 wegen Betrugs verklagt und im selben Jahr eine Gegenklage wegen Belästigung erhielt – arbeitet ebenfalls an einem humanoiden Roboter namens Optimus. Erstmals vorgestellt 2022, soll Optimus bis Ende 2025 oder 2026 als Produkt für Kunden verfügbar sein. Gleichzeitig kritisiert Musk OpenAI wegen des Abwerbens von Mitarbeitern und behauptet, dass geistiges Eigentum gestohlen wurde – Vorwürfe, die OpenAI zurückweist. Figure AI stellte im Oktober die dritte Generation seines Roboters, den Figure 03, vor, der häusliche Aufgaben übernehmen soll. Derzeit ist er jedoch noch nicht für den Verbrauchermarkt erhältlich. Die Frage, ob Roboter menschenähnlich aussehen müssen, bleibt umstritten. Diligent Robotics aus Austin entwickelt den rollenden Roboter Moxi, der im Gesundheitswesen eingesetzt wird – ohne Beine, aber mit zwei Armen und einem Kopf. Co-Gründerin Vivian Chu sieht darin die „minimal viable humanoid“: ein effizienter, weniger komplexer Ansatz, der für viele Aufgaben ausreicht. „Ich glaube, dass sich im Laufe der Zeit herausstellen wird, dass das Rad-Design – zwei Arme, Kopf, Räder – die Form, die die meisten Anforderungen erfüllt“, sagte sie gegenüber Business Insider. Insgesamt zeigt sich, dass die Roboterentwicklung nicht nur um menschenähnliche Gestalt, sondern um funktionale, effiziente und skalierbare Lösungen kreist. Während Figure AI und OpenAI auf eine neue Art von künstlicher Intelligenz setzen, die sich selbst repliziert, zeigen andere Unternehmen wie Diligent Robotics, dass die Zukunft der Robotik nicht notwendigerweise humanoid sein muss – sondern vielmehr pragmatisch, intelligent und anpassungsfähig. Die Branche steht vor einem Paradigmenwechsel: von Werkzeugen zu autonomen, sich selbst erneuernden Systemen, die nicht nur menschliche Arbeit übernehmen, sondern sich selbst weiterentwickeln und ausbreiten können. Die ethischen, technologischen und gesellschaftlichen Implikationen dieser Entwicklung sind immens – und die Diskussion ist erst am Anfang.
