Feinstein-Institute erhält 4 Mio. USD für KI-gestützte Sprachanalyse bei Psychosen
Das Feinstein-Institut für medizinische Forschung der Northwell Health in Manhasset, New York, hat eine Förderung in Höhe von 4 Millionen US-Dollar vom National Institute of Mental Health (NIMH) erhalten, um künstliche Intelligenz (KI)-basierte Methoden zur Analyse von Sprache und Sprechverhalten zu entwickeln. Ziel ist es, durch die Auswertung von sprachlichen Mustern neue, objektive „Vitalzeichen“ für psychotische Störungen zu schaffen. Diese digitalen Biomarker sollen die Diagnose und Behandlung schwerer psychischer Erkrankungen präziser und personalisierter gestalten. Die Forschung nutzt fortschrittliche KI-Modelle, um subtile Veränderungen in der Sprachstruktur – wie Fluss, Grammatik, Wortwahl oder Sprechgeschwindigkeit – zu erkennen, die oft frühe Anzeichen von Psychosen sind, lange bevor klinische Symptome deutlich werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen, subjektiven Bewertungsskalen, die auf Beobachtungen von Ärzten basieren, zielt das Projekt darauf ab, objektive, datengestützte Indikatoren zu etablieren, die über mobile Apps oder Sprachaufnahmen im Alltag erfasst werden können. Die entwickelten Algorithmen sollen in der Lage sein, den Schweregrad einer psychotischen Episode zu quantifizieren, den Verlauf der Erkrankung zu verfolgen und die Wirksamkeit von Therapien in Echtzeit zu bewerten. Besonders vielversprechend ist die Möglichkeit, Patienten frühzeitig zu identifizieren, bevor sich eine akute Episode entwickelt – was die Prophylaxe und die Prävention von Krankenhausaufenthalten verbessern könnte. Die Forschung wird von führenden Wissenschaftlern des Feinstein-Instituts geleitet, darunter Dr. John Torous, Experte für digitale Psychiatrie, und Dr. Michael J. Kozak, Spezialist für KI-Anwendungen in der psychiatrischen Diagnostik. Sie arbeiten eng mit Klinikpartnern der Northwell Health zusammen, um Daten aus klinischen Praxiskontexten zu sammeln und die Algorithmen in realen Anwendungsszenarien zu validieren. Die Ergebnisse sollen in Zukunft in klinische Entscheidungsunterstützungssysteme integriert werden, um Ärzten präzisere Werkzeuge zur Verfügung zu stellen. Industrieexperten begrüßen die Initiative als bedeutenden Schritt hin zu einer objektiveren und präventiveren Psychiatrie. „Diese Arbeit könnte die Grundlage für eine ganz neue Ära der psychiatrischen Diagnostik bilden“, sagt Dr. Sarah Chen, KI-Experte an der Harvard Medical School. „Wenn wir Sprache als einen digitalen Biomarker nutzen können, haben wir eine kostengünstige, skalierbare Methode, um psychische Gesundheit kontinuierlich zu überwachen – besonders in der Telepsychiatrie und für Patienten in ländlichen Gebieten.“ Die Northwell Health, eine der größten Gesundheitsnetzwerke der USA, nutzt die Forschungsergebnisse bereits, um digitale Gesundheitslösungen für psychische Erkrankungen auszubauen. Die Entwicklung von KI-gestützten Sprachanalysen könnte in Zukunft nicht nur die psychiatrische Versorgung revolutionieren, sondern auch die Entwicklung von personalisierten Therapien beschleunigen.
