AI-Boom erinnert an Dotcom-Blase – aber das ist kein schlechtes Zeichen
Henry Blodget, ein ehemaliger Wall-Street-Analyst und Mitbegründer von Business Insider, vergleicht die aktuelle KI-Blase mit der Dotcom-Blase der 1990er Jahre – und sieht darin nicht zwangsläufig eine Katastrophe, sondern eine notwendige Dynamik für Innovation. Blodget, der selbst im Mittelpunkt des ersten Internetbooms stand und später wegen Betrugsvorwürfen der SEC vor Gericht stand (ohne Schuld einzuräumen), vertritt die Ansicht, dass solche Blasen zwar oft mit Spekulation und Fehlinvestitionen einhergehen, aber auch als kollektive R&D-Labore wirken, in denen riesige Kapitalmengen in zukunftsträchtige Technologien fließen. Ähnlich wie in den 1990er Jahren, als die Welt vom Internet überzeugt war, treibt heute die KI-Revolution eine globale Investitionswelle an – vor allem in Rechenzentren, Chips und Infrastruktur. Unternehmen wie Microsoft, Meta und Nvidia treiben diese Entwicklung voran, wobei Milliarden in Datenzentren fließen, die aber aufgrund der raschen technologischen Entwicklung nur drei bis vier Jahre nutzbar sind. Blodget betont, dass die KI real ist und ihre Bedeutung nicht übertrieben wird – die Nutzung von Modellen wie ChatGPT und Claude zeigt bereits eine tiefgreifende Akzeptanz. Doch die Bewertungen der KI-Aktien sind überzogen: Sie basieren auf einer kontinuierlichen Wachstumsprognose über Jahrzehnte, was extrem riskant ist. Wenn sich die Entwicklung verlangsamt oder neue Technologien die aktuellen Modelle überholen, könnte es zu einem massiven Kursverfall kommen – ähnlich wie bei AOL, das nicht von Dial-up auf Broadband wechseln konnte. Anders als in der Dotcom-Ära gibt es heute kaum Möglichkeiten, gezielt in KI-Unternehmen zu investieren: Nvidia ist fast die einzige sinnvolle Option für Investoren, die am KI-Trend partizipieren wollen. Für Privatanleger sieht Blodget eine klare Empfehlung: Kein Spekulationsdruck, keine Einzelaktien. Stattdessen eine ausgewogene Portfoliostrategie mit Indexfonds, festverzinslichen Anlagen und liquiden Mitteln. Die Blase wird sich früher oder später entfalten – es wird einen „großen Umbau“ geben, bei dem viele Unternehmen scheitern werden. Doch genau wie aus der Dotcom-Blase später Google hervorging, könnte auch aus der KI-Blase ein neuer Marktführer entstehen, der heute noch nicht sichtbar ist. Blodget ist überzeugt, dass die KI die Welt verändern wird – nur nicht so, wie man es heute erwartet. Industrieexperten teilen die Skepsis bezüglich der Bewertungen, sehen aber die langfristige Relevanz der Technologie. KI wird nicht verschwinden, aber die Gewinner werden sich erst im Laufe der nächsten Jahre abzeichnen. Die aktuelle Investitionswelle ist weniger eine Blase im klassischen Sinne, sondern ein kollektiver Versuch, die Zukunft zu sichern – mit allen Risiken, die damit verbunden sind.
