Stellantis-Chef fordert Büro-Rückkehr nach Silicon Valley-Vorbild
Stellantis-Chef Antonio Filosa hat Mitarbeiter in einer Videokonferenz zur Rückkehr in die Büros überzeugt, indem er die Arbeitskultur von Silicon Valley als Vorbild nannte. In einer internen „All-Hands“-Veranstaltung am Freitag betonte er, dass die Automobilgruppe, die unter anderem die Marken Chrysler, Jeep, Ram, Fiat und Peugeot umfasst, von der hohen Präsenz von Software- und KI-Unternehmen in Kalifornien lernen könne. Filosa berichtete, dass er im Januar eine Reise nach San Francisco unternommen und dabei mehrere Tech-Startups besucht habe, darunter das AI-Unternehmen Applied Intuition, das mit Stellantis an Infotainment-Systemen für Fahrzeuge zusammenarbeitet. Er sei beeindruckt gewesen, wie intensiv die Entwickler dort im Büro zusammenarbeiteten – ein Modell, das er nun auch für Stellantis anstrebt. Die Rückkehr zum fünftägigen Büroarbeitstag ab 30. März gilt für alle US-Mitarbeiter, während die Rückkehr außerhalb der USA nach Regionen unterschiedlich gestaffelt wird. Die Entscheidung markiert eine deutliche Kehrtwendung gegenüber früheren Remote-Regeln: 2022 hatte Stellantis White-Collar-Mitarbeiter erstmals erlaubt, 70 % der Zeit von zu Hause aus zu arbeiten. Letztes Jahr wurde die Präsenz auf mindestens drei Tage pro Woche erhöht. Nun geht man nun noch einen Schritt weiter – in Einklang mit dem Trend bei Tech-Riesen wie Amazon und Meta, die ebenfalls eine „hardcore“-Arbeitskultur mit hohem Büro-Engagement fördern. Auch Ford hat kürzlich seine Remote-Regeln verschärft und Mitarbeiter auf vier Büro-Tage pro Woche verpflichtet, mit Konsequenzen bei Nichtbefolgung. Filosas Ansatz kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Seit seiner Amtsübernahme im Juni 2025 kämpft er mit rückläufigen Verkäufen in den USA und einer tiefen Krise im Elektroauto-Sektor. Der jüngste Umsatzbericht brachte eine massive Abschreibung von 26 Milliarden Dollar aufgrund einer Neuausrichtung der EV-Strategie, woraufhin der Aktienkurs um bis zu 25 % einbrach. Die Rückkehr in die Büros soll laut Filosa die Zusammenarbeit stärken, Innovation fördern und die Unternehmenskultur revitalisieren. Ob diese Maßnahme ausreicht, um den Kurs zu ändern, bleibt abzuwarten. Industriebeobachter sehen in der Entscheidung eine Reaktion auf wachsende Wettbewerbsdruck und den Verlust an Innovationskraft in traditionellen Automobilunternehmen. „Stellantis versucht, sich von einem klassischen Autohersteller zu einem agilen, technologiegetriebenen Konzern zu wandeln – und dafür braucht es mehr Face-to-Face-Kollaboration“, sagt ein Branchenexperte. Die Umsetzung könnte jedoch auf Widerstand stoßen, besonders bei jüngeren Mitarbeitern, die sich an flexible Arbeitsmodelle gewöhnt haben. Stellantis, gegründet 2021 aus der Fusion von FCA und PSA, ist mit über 400.000 Beschäftigten einer der weltweit größten Automobilkonzernen. Die Umstellung auf Büroarbeit könnte die Mitarbeiterzufriedenheit und Talentgewinnung beeinträchtigen – ein Risiko, das Filosa bewusst ist, aber als notwendigen Schritt für die Zukunft des Unternehmens ansieht.
