Humans& baut AI für menschliche Kooperation – mit 480 Mio. Dollar-Samenfinanzierung
Humans& ist ein neu gegründeter Startup, das von ehemaligen Mitarbeitern von Anthropic, Meta, OpenAI, xAI und Google DeepMind gegründet wurde und sich auf die Entwicklung einer neuen Art von KI-Modell spezialisiert, das soziale Intelligenz und Koordination im Mittelpunkt stellt. Mit einer beeindruckenden Seed-Runde von 480 Millionen US-Dollar will das Unternehmen ein „zentrales Nervensystem“ für die menschlich-AI-gestützte Wirtschaft schaffen. Im Gegensatz zu bestehenden KI-Chats, die primär auf Einzelanfragen und Informationsabfrage optimiert sind, zielt humans& darauf ab, komplexe, langfristige Zusammenarbeit zwischen Menschen und KI zu ermöglichen – etwa bei Gruppenentscheidungen, Teamkoordination oder der Verfolgung von Entscheidungsprozessen über Wochen oder Monate. Der Fokus liegt nicht auf der Integration in bestehende Tools wie Slack oder Notion, sondern auf der Schaffung einer eigenständigen Kooperations-Schicht, die alle Beteiligten – Menschen und KI – versteht, ihre Motivationen und Fähigkeiten berücksichtigt und gemeinsam Ziele verfolgt. Die Vision von humans& geht über reine Automatisierung hinaus. Anstatt zu behaupten, dass KI Jobs übernimmt, positioniert sich das Unternehmen als Helfer bei der Bewältigung der neuen Herausforderungen in der KI-Ära: Überforderung, Kommunikationslücken und fehlende Koordination in Teams. Co-Gründer Eric Zelikman und Andi Peng betonen, dass das Modell nicht nur Antworten geben soll, sondern wie ein Kollege oder Freund agieren soll – mit Empathie, Gedächtnis und der Fähigkeit, Fragen im Kontext zu stellen. Dazu wird das Modell mit Langzeit-Reinforcement-Learning (long-horizon RL) und Multi-Agenten-RL trainiert, um über längere Zeiträume hinweg zu planen, zu überprüfen und zu adaptieren – ein Ansatz, der in der Forschung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Obwohl humans& noch kein konkretes Produkt vorstellt, deutet das Unternehmen auf Anwendungen sowohl im Enterprise- als auch im Consumer-Bereich hin. Die Zielgruppe sind Teams, die über komplexe Entscheidungsprozesse wie etwa die Wahl eines Unternehmenslogos oder die Planung eines Projekts koordiniert werden müssen. Der Anspruch ist, die KI als „verbindendes Glied“ in Organisationen jeder Größe zu etablieren – von Unternehmen bis hin zu Familien. Trotz des starken Teams und des lukrativen Investitionsschubs steht humans& vor erheblichen Herausforderungen. Die Entwicklung eines solchen Modells erfordert enorme Rechenressourcen und langfristige Finanzierung. Zudem konkurriert es nicht nur mit etablierten Tools, sondern direkt mit den großen KI-Player wie Anthropic, Google und OpenAI, die bereits eigene Kooperationsfunktionen (z. B. Claude Cowork, Gemini in Workspace, OpenAI’s Multi-Agent-Orchestrierung) entwickeln. Obwohl diese Unternehmen bisher nicht auf soziale Intelligenz als Kernprinzip setzen, könnte humans& dennoch ein attraktives Akquisitionspaket für die Großen darstellen – ein Risiko, das das Startup bewusst eingeht: Es hat bereits Interessenten abgewiesen und betont, dass es eine „generationsübergreifende“ Vision verfolgt. Branchenexperten sehen in humans& eine potenziell transformative Entwicklung. Die Fokussierung auf Koordination als nächstes KI-Frontier wird von Experten wie Reid Hoffman unterstützt, der betont, dass der wahre Nutzen von KI in der Optimierung von Workflows und Wissensaustausch liegt. Humans& könnte damit einen Schlüssel zur nächsten Phase der KI-Integration in der Arbeitswelt bilden – nicht durch Automatisierung, sondern durch intelligente, menschzentrierte Zusammenarbeit.
