Waabi erhält 1 Milliarden Dollar und startet mit Robotaxis bei Uber
Waabi, der kanadische Autonomie-Startup, hat eine Milliardenfinanzierung von 1 Milliarde US-Dollar abgeschlossen und eine strategische Partnerschaft mit Uber angekündigt, um selbstfahrende Taxis – sogenannte Robotaxis – auf der Uber-Plattform einzuführen. Damit erweitert das Unternehmen erstmals seine Aktivitäten über den Bereich autonomer Lkw hinaus. Die Finanzierung setzt sich aus einer überzogenen Series-C-Runde von 750 Millionen Dollar zusammen, die von Khosla Ventures und G2 Venture Partners gemeinsam angeführt wurde, sowie aus rund 250 Millionen Dollar an leistungsabhängigen Mitteln von Uber, die die Bereitstellung von mindestens 25.000 Waabi Driver-betriebenen Robotaxis auf der Uber-Plattform finanzieren sollen. Ein konkreter Zeitplan für die Umsetzung wurde nicht genannt. Die Kooperation ist ein klares Bekenntnis zu Waabis AI-Technologie, die nach Angaben von CEO Raquel Urtasun eine einheitliche Softwarearchitektur für verschiedene Anwendungsfälle – von Lkw bis hin zu Personenkraftwagen – ermöglicht. Im Gegensatz zu Wettbewerbern wie Waymo, die früher beide Märkte betrieben, aber später ihren Fracht-Programm einstellten, setzt Waabi auf eine allgemeinere, kapital- und ressourcensparende KI-Plattform. Urtasun betont, dass ihre Technologie nicht auf riesige Datenmengen oder menschliche Aufsicht angewiesen sei. Stattdessen nutzt Waabi einen geschlossenen Simulator namens Waabi World, der digitale Zwillinge der realen Welt erstellt, Szenarien simuliert und den Fahrer-Algorithmus selbstständig aus Fehlern lernt – ähnlich wie ein Mensch. Dadurch soll die Systeme schneller und kostengünstiger trainiert werden können als bei traditionellen Ansätzen. Die Partnerschaft mit Uber markiert eine Rückkehr für Urtasun, die zuvor als Chief Scientist bei Uber ATG tätig war, bevor das Unternehmen seine Autonomie-Sparte 2020 an Aurora Innovation verkaufte. Sie baut zudem auf bestehende Kooperationen mit Uber Freight auf. Mit dem neuen Geschäftsbereich „Uber AV Labs“ will Uber zukünftig selbst Daten aus Fahrzeugen seiner Partner sammeln, um die Entwicklung autonomer Systeme zu beschleunigen. Waabi positioniert sich dabei als weniger datenabhängig: Die Technologie wurde bereits für Lkw und Personenkraftwagen getestet, und Urtasun verweist auf die Möglichkeit, in Zukunft auch Roboter zu entwickeln. Seit 2019 hat Waabi mehrere Pilotprojekte mit menschlichem Beifahrer in Texas durchgeführt. Der Start eines vollständig fahrerlosen Lkw auf öffentlichen Straßen wurde auf die nächsten Quartale verschoben, da die Fahrzeuge noch validiert werden müssen. Zusammen mit Volvo entwickelt Waabi spezielle autonome Lkw, die direkt an Shippere verkauft werden können – ein direkter Vertriebsansatz, der nach Urtasuns Aussage hohe Nachfrage erzeugt. Die Vision ist, durch vertikale Integration – inklusive Sensor- und Softwareintegration direkt am Werk – eine sichere, skalierbare und zuverlässige Technologie zu schaffen. Mit der neuen Finanzierung liegt Waabis Gesamtfinanzierung bei etwa 1,28 Milliarden Dollar. Im Vergleich dazu hat Aurora Innovation 3,46 Milliarden Dollar und Kodiak Robotics 448 Millionen Dollar eingesammelt. Waabis Investoren umfassen unter anderem Uber, Nvidia (über NVentures), Volvo, Porsche, BlackRock und BDC Capital. Die Einführung der Robotaxis auf Uber wird wahrscheinlich mit einem OEM-Partner erfolgen, wobei Waabi den Ansatz der Lkw-Entwicklung übernehmen wird: Technologie direkt ab Werk integrieren. Urtasun ist zuversichtlich: „Wir sind erst am Anfang der Robotaxi-Ära – es bleibt viel Skalierungspotenzial.“ Industrieanalysten sehen in der Kooperation mit Uber eine strategische Stärkung für Waabi, besonders da die Plattformnutzung und die Infrastruktur von Uber die Markteinführung beschleunigen können. Experten betonen, dass Waabis Simulator-basierte Lernmethode ein echter Wettbewerbsvorteil sein könnte, falls sie sich in der Praxis bewährt. Die Fähigkeit, mehrere Anwendungsfelder mit einer einzigen KI-Plattform zu bedienen, könnte die Branche nachhaltig verändern – vorausgesetzt, die Technologie hält ihre Versprechen in komplexen urbanen Umgebungen.
