Gemini mit Personal Intelligence: Fortschritt und Risiken
Gemini mit Personal Intelligence stellt einen bedeutenden Schritt vorwärts in der Integration künstlicher Intelligenz in den Alltag dar. Nachdem das Modell bereits OpenAI übertroffen und Apple als Kunden gewonnen hatte, markiert diese Neuerung eine neue Phase: Gemini kann nun automatisch auf Daten aus Gmail, Kalender, Fotos und Suchverlauf zugreifen – ohne dass der Nutzer explizit danach fragen muss. Die Funktion ist zunächst nur für Nutzer mit AI Pro oder Ultra-Abonnement verfügbar und vollständig opt-in. Im Gegensatz zur früheren Version, bei der man stets spezifisch nach Informationen aus E-Mails oder dem Kalender fragen musste, reagiert Gemini nun proaktiv, wenn ein Kontext es erfordert. So kann es beispielsweise bei einem Gespräch über Gartengestaltung automatisch Erinnerungen in den Kalender setzen, eine Einkaufsliste in Keep erstellen oder Empfehlungen basierend auf persönlichen Interessen aussprechen – mit erstaunlich treffsicheren Vorschlägen. Die Funktion ist jedoch nicht fehlerfrei. Bei der Planung von Fahrradrouten mit Kaffee-Stopps lieferte Gemini zwar überzeugende grobe Empfehlungen, versagte aber bei Details: Die verlinkten Google Maps-Routen stimmten nicht mit den angezeigten Wegen überein, und eine vorgeschlagene Route führte durch unbefestigte Wege und endete in einer gefährlichen Querung einer stark befahrenen Straße. Bei der Suche nach neuen Vierteln für einen Fotospaziergang lieferte es ebenfalls falsche Adressen – ein Restaurant wurde fälschlich in Georgetown angegeben, ein Café in einem nicht existierenden Gebäude, und ein Laden wurde als offen beworben, obwohl er geschlossen war. Solche Fehler erfordern viel Nacharbeit und reduzieren das Vertrauen in die Genauigkeit der Empfehlungen. Ein weiteres Problem ist die Datenschutz- und Privatsphäre-Ebene. Obwohl der Zugriff auf persönliche Daten freiwillig ist, wurde in einem Gespräch plötzlich der Name des eigenen Kindes genannt – ein Moment, der beunruhigend wirkt, selbst wenn die Daten aus öffentlichen Quellen wie E-Mails oder Kalendereinträgen stammen. Dies verdeutlicht die Grenze zwischen nützlicher Personalisierung und unangenehmer Überwachung. Trotz dieser Mängel erweitert Personal Intelligence die praktische Anwendung von Gemini spürbar. Es ist nun nicht mehr nur ein Gesprächspartner, sondern ein kooperativer Planer für Alltagsaufgaben. Doch die Nutzererfahrung bleibt eine Mischung aus Begeisterung und Skepsis: Die Funktion ist nützlich, aber nur, wenn man sie kritisch begleitet. Für viele bleibt sie eine Hilfestellung, nicht eine Ersatzlösung. Insgesamt ist Personal Intelligence ein klares Zeichen dafür, dass Gemini sich von einem reinen Chatbot zu einem echten digitalen Assistenten entwickelt – mit großem Potenzial, aber auch mit erheblichen Hürden, die noch überwunden werden müssen.
