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Dell: AI-Boom treibt Datenzentren voraus, PC-Geschäft hinterher

In der zweiten Quartal des Fiskaljahres 2026 (endet am 1. August) verzeichnete Dell erstmals in seiner Geschichte, dass der Geschäftsbereich Infrastructure Solutions Group (ISG), der Server, Speicher, Netzwerk und Dienstleistungen für Rechenzentren anbietet, größer ist als der Client Solutions Group, der PCs und Endgeräte verkauft. Dies markiert einen tiefgreifenden Wandel im Unternehmen, getrieben durch die explosive Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Die ISG-Umsätze stiegen um 44,3 Prozent auf 16,8 Milliarden US-Dollar, wobei der Server- und Netzwerkabsatz allein um 68,7 Prozent anstieg – vor allem durch riesige KI-Cluster für Kunden wie xAI und CoreWeave. Besonders auffällig: Die KI-Systemverkäufe beliefen sich im Quartal auf 8,1 Milliarden Dollar, eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahresquartal (3,1 Milliarden). Der KI-Auftragsbestand lag bei 11,7 Milliarden Dollar – deutlich unter dem Vorquartal, aber 3,1-mal höher als vor einem Jahr. Trotz des massiven Umsatzwachstums blieb die operative Rentabilität der ISG mit 8,8 Prozent deutlich unter dem Durchschnitt der letzten beiden Jahre (12,5 Prozent). Dies deutet darauf hin, dass Dell bei den aktuellen KI-Deals hohe Kosten für Beschaffung, Logistik und Supply-Chain-Neujustierungen in Kauf nimmt, insbesondere durch den Druck, schnelle Lieferung von Blackwell-basierten Systemen zu gewährleisten. Jeff Clarke, COO von Dell, betonte, dass der Pipeline-Verkehr aus dem Enterprise- und „Souveränitäts“-Bereich (z. B. Regierungs- und nationale Labore) stärker wachse als die Cloud-Service-Provider (CSP), und dass über 6.700 eindeutige Kundenpotenziale existierten – mit steigendem Anteil an PCI-Express- und luftgekühlten Systemen, was auf eine reifere, breitere Enterprise-Nutzung hindeutet. Parallel dazu stagnierte der klassische Servermarkt mit einem Anstieg von nur 3,8 Prozent auf 4,75 Milliarden Dollar. Der PC-Bereich (Client Solutions) erzielte mit 12,5 Milliarden Dollar Umsatz, wuchs nur um 0,7 Prozent, aber die Gewinnmarge stieg auf 6,4 Prozent – das beste Ergebnis seit sieben Quartalen. Dennoch bleibt der KI-Server-Bereich in diesem Quartal dominierend. Dell revidierte seine Prognose für das Gesamtjahr 2026: Mindestens 20 Milliarden Dollar an KI-Systemverkäufen werden erwartet. Obwohl das zweite Quartal als Höchststand für KI-Server gilt, könnte sich die Dynamik im Verlauf des Jahres angleichen, da der Xeon- und Epyc-Upgradezyklus in der traditionellen Server-Welt beginnt – etwa 70 Prozent der bestehenden Dell-Server sind zwei Generationen oder älter. Die ISG soll 2026 im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich wachsen. Bewertung durch Branchenexperten: Dell hat sich strategisch klug positioniert – nicht als reiner Hardware-Reseller, sondern als integrativer Partner im KI-Ökosystem. Die Fähigkeit, KI-Cluster mit zusätzlichen Dienstleistungen, Speicher und Netzwerk zu verbinden, schafft langfristige Kundenbindung. Experten sehen jedoch Risiken: Die Margenverdichtung bei KI-Systemen bleibt ein Dilemma, da Nvidia weiterhin die meisten Gewinne im Stack hält. Zudem ist die KI-Nachfrage sprunghaft und unvorhersehbar. Doch Dell profitiert von seiner globalen Infrastruktur, seinem US-amerikanischen Herkunftsnachweis (wichtig im geopolitischen Kontext) und seiner Fähigkeit, komplexe, maßgeschneiderte Lösungen zu liefern. Als einer der wenigen OEMs, die nicht ausschließlich auf Nvidia angewiesen sind, kann Dell auch durch Partnerschaften mit AMD und Eigenentwicklungen (z. B. in der Hyperkonvergenz) Wettbewerbsvorteile nutzen. Die langfristige Strategie zeigt: Dell will nicht nur Verkäufer von KI-Hardware sein, sondern der „intelligente Rechenzentrumspartner“ für Unternehmen, die ihre KI-Infrastruktur skalieren wollen.

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