Appian-Chef lehnt KI bei Bewerbungen ab – statt Nebensachen sollte KI echte Probleme lösen
Appian-Chef Matt Calkins kritisiert die derzeitige Nutzung von Künstlicher Intelligenz in Unternehmen, insbesondere im Recruiting. Laut ihm verzichten viele Firmen auf die echte Potenzialentfaltung von AI, indem sie sie für oberflächliche Aufgaben wie das Scannen von Lebensläufen einsetzen. Calkins betont, dass Appian, ein 1999 gegründeter Anbieter von Cloud- und Unternehmenssoftware, bewusst auf die automatisierte Bewerbungsanalyse verzichtet, um nicht qualitativ hochwertige Talente zu übersehen. Er warnt davor, dass KI bei der Bewerbungsprüfung zu einer „Checkliste“ führe, die nur formale Kriterien wie Schulnoten oder Abschlüsse berücksichtigt, anstatt die eigentliche „Magie“ in einer Person zu erkennen. Dies sei besonders problematisch, wenn es darum geht, exzellente, unkonventionelle Kandidaten zu finden. Während große Tech-Unternehmen wie Google und Salesforce bereits KI zur ersten Filterung von Bewerbungen nutzen, bleibt der menschliche Faktor in der Entscheidungsfindung weiterhin entscheidend – viele Unternehmen setzen nach wie vor auf Recruiter, um die besten Kandidaten auszuwählen. Calkins weist darauf hin, dass die aktuelle KI-Nutzung oft wenig sinnvoll ist: Eine Studie des MIT zeigte, dass 95 Prozent der Unternehmen keinen messbaren Return on Investment bei der Nutzung generativer KI erzielen. Er bezeichnet die KI als „die Technologie des Jahrhunderts“, die jedoch oft falsch eingesetzt werde. Die größte Herausforderung sei nicht, KI für Nebenjobs zu nutzen, sondern sie mit zentralen Unternehmensprozessen zu verbinden. Ein Beispiel dafür sei die Überflutung von Kommunikation in großen Unternehmen – mit E-Mails, Faxen, Textnachrichten, Anrufen und handschriftlichen Notizen, die oft unstrukturiert und auf verschiedenen Kanälen landen. Appian hat hier eine Lösung entwickelt, die KI nutzt, um alle diese Informationen zu verstehen, zu klassifizieren und automatisch in die richtigen Datenbanken zu übertragen – mit einer Genauigkeit von 99 Prozent. Calkins nennt diese Anwendung „einfach erstaunlich, aber auch langweilig“ – weil sie im Hintergrund arbeitet und kaum mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Die Branche, so Calkins, fokussiert sich auf spektakuläre, aber unwirksame Anwendungen, während die echten, wertschöpfenden Einsatzmöglichkeiten in der Prozessoptimierung und Datenintegration liegen. Er fordert eine radikale Neuausrichtung: KI muss nicht für PR-Events oder Trendthemen genutzt werden, sondern für die komplexen, alltäglichen Herausforderungen, die Unternehmen tatsächlich belasten. Die wahre Zukunft der KI liegt nicht in der Bewerbungsautomatisierung, sondern in der intelligenten Verarbeitung von Unternehmenskommunikation und -daten – dort, wo sie echten Wert schafft. Industrieexperten stimmen Calkins zu: Die meisten KI-Initiativen seien noch zu oberflächlich. Experten betonen, dass der Schlüssel zur erfolgreichen KI-Nutzung in der Integration in Kernprozesse liege, nicht in der Automatisierung von administrativen Aufgaben. Appian, mit einem Umsatz von über 500 Millionen Dollar und Kunden wie Boeing oder Pfizer, gilt als Vorreiter in der Prozessautomatisierung und zeigt, dass KI dort am effektivsten ist, wo sie unsichtbar, aber entscheidend wirkt.
