Oracle-Aktie stürzt ab, CEO-Neulinge kämpfen mit AI-Plänen und Investorenskepsis
Oracle steht vor einer der schärfsten Kursverluste seit dem Jahr 2001, als die neuen CEOs Clay Magouyrk und Mike Sicilia ihre Amtszeit begannen. Innerhalb von drei Monaten verlor der Aktienkurs rund 30 Prozent und liegt auf Kurs für das schlechteste Quartal seit der Dotcom-Blase. Die Skepsis der Anleger wird durch die jüngsten Zahlen verstärkt: Oracle meldete schwächere als erwartete Umsätze und freies Cashflow. Auf der Ergebniskonferenz kündigte Finanzchef Doug Kehring für das Geschäftsjahr 2026 Investitionen von 50 Milliarden US-Dollar an – ein Anstieg um 43 Prozent gegenüber dem September-Plan und doppelt so hoch wie im Vorjahr. Zudem plant Oracle Leasingverträge im Wert von 248 Milliarden US-Dollar, um die Cloud-Kapazität zu steigern, zusätzlich zu eigenem Datenzentrenbau. Um diese Ausgaben zu finanzieren, hat Oracle im September eine Rekordanleihe über 18 Milliarden US-Dollar aufgelegt. Obwohl Kehring versicherte, die Investment-Grade-Notierung zu bewahren, steigen die Preise für Kreditderivate – ein Zeichen für wachsende Risikobewertung. Die Hoffnungen auf eine Transformation waren groß, als im September ein Deal mit OpenAI bekannt wurde, der über 300 Milliarden US-Dollar an Investitionen vorsah. Damals stieg der Kurs um fast 36 Prozent auf ein Allzeithoch von 345,72 US-Dollar. Doch seitdem verlor die Aktie 43 Prozent. Ein kurzer Aufschwung folgte nach der Nachricht, dass TikTok einen Teil seines US-Geschäfts an Oracle und andere Investoren verkaufen wird – ein Zeichen für die langjährige Zusammenarbeit im Cloud-Bereich. Dennoch bleibt die Kritik an der Abhängigkeit von OpenAI bestehen. Analysten warnen, dass die Finanzierung des ambitionierten AI-Ausbauplans das Unternehmen unter Druck setzen könnte, insbesondere wenn OpenAI selbst mit hohen Verlusten kämpft und die Nachfrage nach Infrastruktur nicht wie erwartet steigt. Magouyrk und Sicilia haben ein ambitioniertes Wachstumsziel vorgelegt: Umsätze sollen bis 2030 auf 225 Milliarden US-Dollar steigen – von 57 Milliarden im Jahr 2025. Doch dieser Wandel von einem profitablen Softwaregeschäft hin zu einem wachstumsgetriebenen Cloud- und AI-Unternehmen geht mit einem massiven Margenverlust einher. Analysten erwarten, dass die Bruttomarge von 77 Prozent in 2021 auf rund 49 Prozent im Jahr 2030 sinkt, mit negativem freiem Cashflow von insgesamt 34 Milliarden US-Dollar in den nächsten fünf Jahren. Investoren wie Eric Lynch von Suncoast Equity Management zeigen sich skeptisch: „Vier bis fünf Jahre ist zu lang für unsere Anlagestrategie.“ Trotzdem gibt es Optimisten: Wells-Fargo-Analyst Michael Turrin hat Oracle mit „Kaufen“ bewertet und ein Kursziel von 280 US-Dollar gesetzt. Er sieht die Zukunft der Firma in der Erfüllung des OpenAI-Vertrags, der bis 2029 über ein Drittel des Umsatzes ausmachen könnte. Der Erfolg hängt entscheidend davon ab, ob Oracle als vertrauenswürdiger Partner für die weltweit größten KI-Trainingscluster gilt. Doch die Marktdurchdringung bleibt schwach: Obwohl Oracle Kunden wie Meta, Uber und Elon Musks xAI hat, bleibt es hinter Amazon, Microsoft und Google zurück. Wichtige Anbieter wie Databricks und Snowflake bieten ihre Software noch nicht auf der Oracle-Cloud an – „solange Kunden nicht an die Tür klopfen“, sagt Databricks-Chef Ali Ghodsi. Die Glaubwürdigkeit der neuen Strategie hängt letztlich davon ab, ob Oracle die technischen und finanziellen Herausforderungen meistert und die Kunden überzeugt. Bewertung durch Branchenexperten: Die strategische Wende von Oracle ist mutig, aber riskant. Die Abhängigkeit von OpenAI und der massive Kapitalbedarf stellen erhebliche Herausforderungen dar. Die Fähigkeit, die KI-Infrastruktur zu liefern und gleichzeitig die Kreditwürdigkeit zu bewahren, wird entscheidend sein. Obwohl die langfristigen Chancen real sind, ist die aktuelle Marktsituation für Anleger unruhig. Die Einführung von KI- und Cloud-Strategien erfordert nicht nur Finanzkraft, sondern auch Kundenvertrauen – und das ist bei Oracle noch nicht ausreichend etabliert.
