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AI-Nostalgie-Slop: Wer hat davon etwas?

Generative AI hat in letzter Zeit eine Welle von Videos ausgelöst, die jugendlich aussehende, künstlich erzeugte Teens zeigen, die sehnsüchtig nach den 80er und 90er Jahren zurückblicken. Mit perfekten Frisuren, verträumten Blicken und einer Soundtrack-Combo aus „Everybody Wants to Rule the World“ und Donkey Kong Country-Inszenierungen entstehen scheinbar idyllische Szenen von sonnendurchfluteten Sackgassen und Vintage-Autos. Doch hinter der Nostalgie-Optik verbirgt sich eine kritikwürdige Welle von künstlichem Content, der weniger eine kreative Ausdrucksform als vielmehr eine Markenstrategie darstellt. Die Videos, oft mit OpenAI’s Sora-Modell erstellt, sind technisch beeindruckend, aber kreativ leer – sie folgen klischeehaften Mustern wie „berühmter Star wird von der Polizei angehalten“ oder „Fred Rogers raps mit Tupac“. Besonders auffällig: die verzerrte, oft unangemessene Darstellung historischer Figuren, die in absurden, oft sexistischen oder unethischen Szenen auftauchen. Diese Deepfakes sind nicht nur wenig überzeugend, sondern tragen auch Wasserzeichen, die auf ihre künstliche Herkunft hinweisen. OpenAI nutzt diese Inhalte strategisch: Die Sora-App soll nicht nur die Technologie promoten, sondern das Verhalten der Nutzer verändern – von passiven Zuschauern zu aktiven „Slop-Produzenten“, die mit einfachen Prompt-Eingaben Videos generieren. Prominente wie Jake Paul, Snoop Dogg oder Shaquille O’Neal werden dafür eingesetzt, um den Eindruck zu erwecken, dass das Erstellen solcher Inhalte cool und kreativ sei. Doch die Wirkung ist enttäuschend: Die Videos sind vorhersehbar, platt und entbehren jeglichen Humors, der nicht auf Anachronismus oder Skandal basiert. Sie spiegeln weniger eine künstlerische Revolution wider, sondern die Auswirkungen des Zerfalls der Monokultur. In der Vergangenheit war Popkultur zentralisiert, oft von alten, weißen Männern geprägt. Heute ermöglichen Plattformen wie Sora, dass jeder kreativ werden kann – doch statt Vielfalt entsteht eine neue Form der Standardisierung, in der die Nutzer stets auf vertraute, virale Muster zurückgreifen. Die Zielgruppe bleibt unklar: Sind es Jugendliche, die sich durch „Brainrot“-Humor identifizieren? Oder doch eher diejenigen, die sich durch die Überfrachtung mit AI-Content ablenken lassen? Der Humor funktioniert nur, wenn man die Referenzen kennt – andernfalls wirkt Fred Rogers als Sex-Predator oder Stephen Hawking als grotesker Klischee. Die Aussage, dass solche Inhalte „die Zukunft der Kunst“ seien, ist eine Verhöhnung der Aufmerksamkeit und Intelligenz junger Menschen. Denn echte Kunst erfordert Mühe, Reflexion und Originalität – nicht nur eine Prompt-Eingabe. In Wahrheit zeigt Sora weniger eine kreative Blüte, sondern die Grenzen der aktuellen AI: Skalierung statt Qualität, Viralität statt Bedeutung. Die Hoffnung auf „gute“ AI-Kunst bleibt weiterhin unerfüllt. Was bleibt, ist eine überflutete digitale Landschaft, in der das Neue schnell alt wird – und die nächste „Slop-Welle“ bereits auf dem Weg ist.

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