Cohere fusioniert mit Aleph Alpha
Der kanadische KI-Startup-Anbieter Cohere hat die Übernahme des deutschen Konkurrenten Aleph Alpha angekündigt. Diese Transaktion wird von der Schwarz Group, dem Mutterkonzern des Lebensmittelhandels Lidl, maßgeblich unterstützt. Mit der Billigung ihrer Regierungen streben beide Unternehmen an, eine souveräne Alternative für Unternehmen in einer globalen KI-Landschaft anzubieten, die derzeit stark von amerikanischen Playern dominiert wird. Obwohl beide Firmen als Heimatstars gelten, hinken sie globalen Marktführern wie OpenAI deutlich hinterher, handelt es sich bei dieser Fusion nicht um eine Allianz auf Augenhöhe. Cohere, das zuletzt auf eine Bewertung von 6,8 Milliarden US-Dollar geschätzt wurde, wird das neu gegründete Unternehmen führen, das Aleph Alpha integrieren wird. Die Zustimmung der Aufsichtsbehörden und der Aktionäre steht noch aus. Die Schwarz Group, einer der Hauptaktionäre von Aleph Alpha, ist bereits vollumfänglich an dem Deal beteiligt. Der Einzelhändler wird nun zum strategischen Partner des neuen Konzerns und bringt strukturierte Finanzierungen in Höhe von 500 Millionen Euro ein. Parallel dazu plant die Schwarz Group, die eigene Cloud-Infrastruktur STACKIT für diese Zwecke zu nutzen. Als Teil der Investition fungiert die Schwarz Group zudem als Hauptinvestor in Coheres Series-E-Finanzierungsrunde. Der deutsche Wirtschaftsmedienbericht Handelsblatt zufolge verankert das Termheet die Bewertung des kombinierten Unternehmens bei rund 20 Milliarden US-Dollar. Dies stellt einen erheblichen Sprung dar, der durch die kombinierten Einnahmen allein nicht sofort gerechtfertigt ist. Während Cohere im Jahr 2025 jährliche wiederkehrende Einnahmen von 240 Millionen US-Dollar meldete, erzielte Aleph Alpha bisher nur geringe Umsätze und verzeichnete erhebliche Verluste. Investoren setzen jedoch darauf, dass die Kombination der Kräfte die Erfolgsaussichten verbessert. Das neue Unternehmen plant, stark regulierte Branchen wie Verteidigung, Energie, Finanzen, Gesundheitswesen, Fertigung und Telekommunikation sowie den öffentlichen Sektor gezielt anzusprechen. Auch Kohäsionen mit Unternehmen, die Alternativen zu US-Anbietern suchen, um Anforderungen an Datenschutz und Unabhängigkeit zu erfüllen, sollen genutzt werden. Aleph Alpha hat spezialisierte Sprachmodelle für Unternehmen und öffentliche Einrichtungen in Europa entwickelt, wie etwa die PhariaAI-Suite. Nach einer strategischen Neuausrichtung und dem Ausscheiden des Mitgründers und CEO Jonas Andrulis ist die Führung des deutschen Unternehmens zwar weniger klar definiert, doch das Team aus 250 Experten und dessen Kompetenz sollen Cohere ergänzen. Cohere-CEO Aidan Gomez betonte bei einer Pressekonferenz am Freitag, dass der Fokus von Aleph Alpha auf kleinen Sprachmodellen, europäischen Sprachen und Tokenisierungs-Technologien komplementär zum breiten Fokus von Cohere auf große Sprachmodelle sei. Die Besetzung des Podiums verdeutlichte die neuen Partnerschaften: Neben Gomez traten Cohere-CEO Aidan Gomez, Mitgründer Samuel Weinbach von Aleph Alpha sowie Rolf Schumann, Chief Digital Officer der Schwarz Group, auf. Anwesend waren auch der deutsche Digitalminister Karsten Wildberger und sein kanadisches Gegenüber Evan Solomon. Angesichts zunehmender Spannungen mit den USA zeigt sich Kanada zunehmend bereit für bilaterale Initiativen mit Partnern wie Deutschland. Mit einer gemeinsamen Sorge um Privatsphäre und Sicherheit haben die beiden Länder kürzlich eine Allianz für souveräne Technologien gegründet, um die Fähigkeit zur souveränen KI zu stärken und strategische Abhängigkeiten von Technologie zu verringern. Die Frage bleibt, ob europäische Organisationen eine Initiative mit kanadischer Beteiligung als ausreichend souverän betrachten oder ob sie darauf vertrauen, dass die Allianz langfristig transatlantisch bleibt. Gomez bestätigte, dass Cohere zu einer kanadisch-deutschen Firma werden wird. Die Eigentumsverhältnisse könnten jedoch unklarer werden, falls ein Börsengang in Erwägung gezogen wird.
