AI verändert Aufgaben, nicht den Berufszweck – Nvidia-Chef Huang erklärt, warum Jobs nicht verschwinden
Nvidia-Chef Jensen Huang betont in einem Gespräch im No Priors-Podcast, dass Künstliche Intelligenz (KI) Arbeitsplätze nicht durchgängig zerstören wird – vielmehr werde sie Aufgaben innerhalb von Berufen verändern, ohne deren grundlegendes Ziel zu beeinträchtigen. Er unterscheidet zwischen „Tasks“ (konkrete, wiederholbare Aufgaben) und „Purpose“ (der tieferliegende Sinn oder das Ziel einer Tätigkeit). Laut Huang automatisiert KI Routineaufgaben, behält aber den menschlichen Fokus auf Entscheidungsfindung, Urteilskraft und Ergebnisverantwortung bei. Dies führe nicht zu Arbeitsplatzverlusten, sondern oft zu einer Erhöhung der Nachfrage nach Fachkräften. Ein zentraler Beleg dafür ist die Radiologie: 2016 warnte der KI-Pionier Geoffrey Hinton, dass KI viele radiologische Jobs überflüssig machen werde. Stattdessen hat sich die Branche in den letzten Jahren weiterentwickelt. 2025 wurden in den USA rekordverdächtige 1.208 Residenzplätze in der diagnostischen Radiologie angeboten – ein Plus von 4 % gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig sind die Besetzungsquoten auf historischem Hoch, und Radiologen sind mit durchschnittlich 520.000 Dollar Jahresgehalt die zweitbestbezahlte medizinische Spezialität, was eine Steigerung um über 48 % seit 2015 bedeutet. KI hilft dabei, Bilder schneller und genauer zu analysieren, was mehr Patientenversorgung ermöglicht und somit mehr Fachkräfte erfordert. Huang zieht Parallelen zu anderen Berufen: Bei ihm selbst ist Tippen nur eine Aufgabe, nicht sein Berufszweck. KI-Tools, die Texte automatisieren, machen ihn nicht überflüssig – im Gegenteil: Sie erlauben ihm, mehr Arbeit zu bewältigen und seine Produktivität zu steigern. Ähnlich verhält es sich in der Softwareentwicklung: AI-Tools wie Cursor beschleunigen das Schreiben von Code, erhöhen aber die Nachfrage nach Ingenieuren, die Probleme erkennen und innovative Lösungen entwickeln. Nvidia selbst expandiert weiterhin und rekrutiert, weil KI-Produktivität mehr Ideen und Projekte ermöglicht. Auch im Rechtswesen bleibt der Mensch zentral: KI kann Verträge lesen und erstellen, doch der wahre Wert eines Anwalts liegt in strategischem Denken, Urteilsfähigkeit und Verantwortung. Ebenso im Gastgewerbe: Ein Kellner übernimmt zwar nicht mehr automatisch die Bestellung, aber seine Aufgabe, ein gutes Gastgebererlebnis zu schaffen, bleibt unverändert – nur wird sie neu ausgeprägt. Huang räumt ein, dass KI bestimmte Rollen verändern wird – besonders solche, die auf wiederholbare Aufgaben basieren. Doch die Mehrheit der Jobs wird sich nicht auflösen, sondern neu ausrichten. Der Schlüssel für Arbeitnehmer: Wenn ihre Rolle auf Ergebnissen, Urteilen und Beziehungen beruht, ist KI kein Ersatz, sondern ein Werkzeug, das ihre Wirkung vergrößert. Industrieexperten sehen in Huangs Argument eine realistische Gegenposition zu apokalyptischen KI-Szenarien. Die Daten aus Radiologie, Software und Recht bestätigen, dass KI oft die Skalierbarkeit erhöht, was neue Arbeitsplätze schafft. Nvidia selbst ist ein Beispiel für eine Firma, die durch KI-Integration wächst und weiterhin investiert. Die Zukunft der Arbeit liegt laut Huang nicht in der Angst vor Automatisierung, sondern in der Fähigkeit, mit KI zusammenzuarbeiten – um mehr zu erreichen, nicht weniger.
