Künstliche Intelligenz gefährdet Jobs – AI-Experten fordern Grundrente
Künstliche Intelligenz (KI) steht vor einer tiefgreifenden Transformation der Arbeitswelt – und mit ihr wächst die Debatte um die Notwendigkeit eines bedingungslosen Grundeinkommens (UBI). In den letzten Jahren ist das Konzept, das früher als utopisch galt, von der Randgruppe der Tech-Elite in die politische und wirtschaftliche Hauptströmung gerückt. Prominente KI-Experten wie OpenAI-Chef Sam Altman, der sogenannte „Vater der KI“ Geoffrey Hinton, sowie Unternehmer wie Elon Musk und Vinod Khosla warnen vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch automatisierte Systeme und sehen UBI als zentrales Mittel, um soziale Ungleichheit zu verhindern. Altman hat nicht nur öffentlich für UBI plädiert, sondern auch konkrete Forschung betrieben. Sein Projekt, durch das OpenResearch und OpenAI 60 Millionen US-Dollar bereitstellten – darunter 14 Millionen von Altman selbst –, untersuchte die Wirkung von monatlichen Zahlungen von 50 oder 1.000 Dollar an 3.000 Menschen in Texas und Illinois mit niedrigem Einkommen. Die Ergebnisse zeigten deutliche Verbesserungen in der psychischen Gesundheit, der Lebenssicherheit und der Ausgaben für Grundbedürfnisse wie Nahrung, Miete und Transport. Allerdings nahmen die positiven Effekte nach dem ersten Jahr ab, was zeigt, dass Cash allein keine Lösung für strukturelle Probleme wie teure Wohnungen oder fehlende Kinderbetreuung ist. Neben UBI untersucht Altman auch alternative Ansätze wie „Universal Basic Compute“ – eine Verteilung von Rechenleistung aus KI-Modellen, die Individuen nach Belieben nutzen könnten. Gleichzeitig arbeitet er an Worldcoin, einem Projekt, das irisbasierte digitale Identitäten schafft, um eine zukünftige UBI-Infrastruktur zu ermöglichen. Andere KI-Führer teilen die Sorge, aber mit unterschiedlichen Akzenten. Hinton warnt vor einer „Kollaps der Arbeitsmärkte“ durch KI und fordert Regierungen auf, UBI frühzeitig zu testen. Vinod Khosla geht noch weiter und sieht UBI als „entscheidend“ in einer Welt, in der menschliche Arbeit zunehmend überflüssig wird. Dario Amodei von Anthropic betont, dass UBI zwar notwendig sei, aber nur ein Teil der Lösung – es müsse mit Bildung, Gesundheitsversorgung und sozialen Sicherungssystemen kombiniert werden. Andrew Yang, der 2020 für die US-Präsidentschaft kandidierte und mit seinem „Freedom Dividend“ von monatlich 1.000 Dollar für alle Bürger werben wollte, gilt als treibende Kraft hinter der Mainstream-Verbreitung des Konzepts. Obwohl sein Anliegen damals als unrealistisch galt, gewann es an Glaubwürdigkeit durch die Pandemie-Stimuluszahlungen und die rasante Entwicklung von KI. Kritiker argumentieren, UBI könnte Arbeitsmotivation schwächen oder zu hohen Steuern führen. Doch die Mehrheit der KI-Führungskräfte sieht darin aktuell die pragmatischste Antwort auf eine wirtschaftliche Umwälzung, die durch KI beschleunigt wird. In der Branche gilt UBI nicht mehr als Zukunftsvision, sondern als dringend zu prüfende politische Notwendigkeit. Die Experimente in den USA und die Forderungen von Tech-Größen zeigen: Wenn KI die Wirtschaft revolutioniert, könnte nur ein soziales Netzwerk wie UBI die Folgen abfedern – und die Menschheit vor einer tiefen Kluft aus Gleichheit und Ausgrenzung bewahren.
