Microsoft baut eigene AI-Chip-Cluster für selbstständige KI-Entwicklung auf
Microsoft plant, erhebliche Investitionen in eine eigene KI-Chip-Cluster-Infrastruktur zu tätigen, um künftig unabhängig von externen Partnern bei der Entwicklung von KI-Modellen zu sein. Dies kündigte Microsofts AI-Chef Mustafa Suleyman in einer internen Townhall-Meetings an. Die Entscheidung markiert einen strategischen Wandel im KI-Ansatz des Unternehmens, das bisher stark auf die Zusammenarbeit mit OpenAI gebaut hatte. Zwar bleibt die Partnerschaft mit OpenAI weiterhin wichtig – Microsoft ist Investitor und bietet Cloud-Dienste über Azure OpenAI – doch die aktuelle Vertragsverhandlung zeigt, dass die Beziehung zunehmend angespannt ist und sich Microsoft nun stärker auf eigene Fähigkeiten konzentrieren will. Suleyman betonte, dass ein Unternehmen mit Microsofts Größe und Unternehmensvielfalt die Fähigkeit haben müsse, selbst „KI-autark“ zu sein, falls nötig. Dazu gehört nicht nur die Entwicklung eigener KI-Modelle, sondern auch die Infrastruktur, um diese zu trainieren. Dazu zählt auch die Schaffung einer eigenen, leistungsstarken Chip-Cluster-Infrastruktur. Die bisherige KI-Entwicklung war auf begrenzte Ressourcen angewiesen: Das Modell MAI-1-preview, Microsofts erstes eigenständig trainiertes Grundmodell, wurde lediglich mit 15.000 Nvidia H100-Chips trainiert – eine „kleine Cluster“ im Vergleich zu Konkurrenten. Google, Meta und xAI haben ihre führenden Modelle hingegen auf Clustern mit sechs bis zehnmal mehr Rechenleistung trainiert. Das neue Modell rangiert aktuell auf Platz 24 unter den Textmodellen auf der LMArena-Liste, was zeigt, dass Microsoft noch erheblichen Entwicklungsaufwand benötigt, um mit den globalen Spitzenmodellen Schritt zu halten. Dennoch zeichnet sich ein klarer Kurs ab: Microsoft will nicht nur OpenAI nutzen, sondern auch selbst Weltklasse-Modelle in verschiedenen Größenordnungen entwickeln. Dabei will das Unternehmen pragmatisch vorgehen – wo sinnvoll, werden auch externe Modelle genutzt. CEO Satya Nadella betonte in der gleichen Veranstaltung, dass die Zusammenarbeit mit OpenAI weiterhin von großer Bedeutung sei. „Sie liefern uns, wir liefern ihnen. Beide sind Kunden des anderen.“ Die strategische Partnerschaft bleibt bestehen, doch Microsoft will nun auch unabhängig agieren können. Dieser Doppelpfad – enge Kooperation mit OpenAI und gleichzeitige Stärkung eigener KI-Kapazitäten – spiegelt die zunehmende Komplexität der KI-Wettbewerbslandschaft wider. Industriebeobachter sehen in der Investition in eigene Chips und Modelle eine notwendige Reaktion auf die wachsende Bedeutung von KI für digitale Wettbewerbsfähigkeit. Microsofts Schritt unterstreicht, dass selbst technologische Riesen wie Microsoft nicht auf externe KI-Technologie angewiesen sein wollen – besonders, wenn die Abhängigkeit wirtschaftliche und strategische Risiken birgt. Die Entwicklung eigener KI-Infrastruktur könnte zukünftig entscheidend für Microsofts Position in der KI-Revolution sein.
