KI-Boom: Gründer reagieren auf Blasenängste
In der jüngsten Phase des künstlichen Intelligenz-Booms sind die Stimmungen bei Startup-Gründern geteilt, während sich die Marktteilnehmer mit wachsenden Befürchtungen vor einer Blasenbildung auseinandersetzen. Angesichts von negativen Nachrichten, einschließlich skeptischer Äußerungen des bekannten Short-Sellers Michael Burry über die Nachhaltigkeit der AI-Gewinne, steigende Schulden bei der Finanzierung von AI-Infrastruktur und dem Einbruch des Aktienkurses von CoreWeave nach enttäuschender Prognose, hat sich die Stimmung in der Branche merklich abgekühlt. In einer Analyse von CNBC sprach Deirdre Bosa mit zwei führenden AI-Gründern, um deren Perspektive auf die aktuelle Lage zu erfassen. Amjad Masad, Mitbegründer und CEO von Replit, einem AI-gestützten Coding-Startup, bestätigt eine deutliche Abkühlung der Hype-Atmosphäre. Anfang des Jahres war die Begeisterung für „Vibe Coding“ – eine Form des kollaborativen, kreativen Programmierens mit KI – auf ihrem Höhepunkt, wobei viele Entwickler die Tools ausprobieren wollten, obwohl diese technisch noch unzureichend waren. „Das hat viele enttäuscht“, sagt Masad. „Viele haben sich getäuscht gefühlt, und das hat zu einer Art Hype-Abkühlung geführt.“ Er beobachtet, dass viele Startups, die früher wöchentlich ihre jährlich umgerechneten laufenden Einnahmen veröffentlichten, dies mittlerweile nicht mehr tun – ein Zeichen für verlangsamtes Wachstum und veränderte Erwartungen. Im Gegensatz dazu sieht Navrina Singh, Gründerin und CEO von Credo AI, einem Unternehmen für KI-Überwachung und Risikomanagement, keine Anzeichen einer Blase. „Ich glaube nicht, dass wir in einer Blase sind“, betont sie. Stattdessen sieht sie die KI-Revolution als dauerhafte Realität, die bereits heute die wichtigste Wachstumstriebkraft für Unternehmen darstellt. „Es ist logisch, dass mehr Investitionen in Fähigkeiten, Governance, Energie und Infrastruktur nötig sind, wenn KI in der gesamten Wirtschaft verankert wird.“ Ihre Sichtweise unterstreicht, dass die aktuelle Marktschwankung weniger ein Zeichen der Überhitzung als vielmehr eine Reifephase der Branche ist – in der der Fokus von Hype auf nachhaltige Anwendung und strukturelle Stärke wechselt. Industrieanalysten sehen in der Entwicklung eine notwendige Korrektur. Die übermäßige Spekulation in den ersten Phasen des KI-Booms hat zu einer Überbewertung vieler Unternehmen geführt, was nun zu einer Realitätsprüfung führt. Experten betonen, dass der langfristige Wert der KI-Technologie unbestritten bleibt, aber der Markt nun auf fundiertere Geschäftsmodelle und messbare Ergebnisse setzt. Diejenigen, die sich auf nachhaltige Innovation, ethische KI und effiziente Infrastruktur konzentrieren, werden in der neuen Phase stärker abschneiden. Replit und Credo AI repräsentieren damit zwei unterschiedliche, aber ergänzende Ansätze: einerseits die Entwicklung von Tools für die KI-Nutzung, andererseits die Schaffung von Rahmenbedingungen für verantwortungsvolles KI-Management. Beide zeigen, dass die KI-Revolution nicht nur technologisch, sondern auch institutionell und ethisch reifen muss – und dass die aktuelle Phase der „Ent-Hype“ ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einer stabilen, wertschöpfenden KI-Ökonomie ist.
