Von Goldman Sachs zu YC: Ein junger CEO baut jetzt eine AI-Start-up-Revolution
Raymond Zhao, 23, der CEO und Mitbegründer von Structured AI, hat sich von einem klassischen Karrierepfad abgewandt, der ihn einst in die Welt der Investmentbanken führte. Nach einem anfänglichen Traum, bei Goldman Sachs zu arbeiten, verbrachte er 2024 ein Praktikum in London – und erkannte schnell, dass die langen Arbeitszeiten, der Fokus auf Finanzmärkte und der mangelnde persönliche Antrieb ihn nicht begeisterten. Der Mathematik- und Statistikabsolvent der Universität Oxford, der ursprünglich aus Australien stammt, war damals noch unsicher, was er mit seinem Leben anfangen wollte. Nach dem Praktikum reiste er durch Südostasien, kehrte 2024 an die Oxford zurück, um dort einen Master in Wirtschaftswissenschaften zu absolvieren, und engagierte sich in studentischen Gruppen – darunter dem Venture-Capital- und dem KI-Team. Dort traf er seine zukünftigen Mitgründer: Isabel Greenslade, mit der er die Vision für ein eigenes Startup entwickelte, und Brandon Smith, der ein Problem aus seiner Arbeit im Baubereich identifizierte: die zeitaufwändige, repetitive Verwaltung von Bauplanungsunterlagen. Aus dieser Erkenntnis entstand Structured AI – ein KI-Copilot für die Vorbauphase im Ingenieurwesen, der automatisierte Textarbeiten wie Formulare und Dokumentationen übernimmt. Statt auf einen klassischen Einstieg in die Finanzbranche zu warten, entschied sich Zhao, den Sprung in die Gründerszene zu wagen. Im Juni 2025, kurz vor seinem Abschluss, reiste er zu einer KI-Gründerkonferenz nach San Francisco – ohne Investitionen im Sinn. Doch durch Gespräche mit Mitgründern und Investoren gelang es ihm, innerhalb kurzer Zeit rund 500.000 US-Dollar in Pre-Seed-Finanzierung zu sichern. Dieser Erfolg ermöglichte es dem Team, sich vollständig auf die Entwicklung des Produkts zu konzentrieren. Im September 2025 wurde Structured AI in die Y Combinator-Fall-2025-Batch aufgenommen, die mit einer 500.000-Dollar-Gründungsgeldzusage verbunden ist. Insgesamt hat das Startup nun rund eine Million Dollar eingesammelt. In der intensiven YC-Programmphase, die sich in einem Airbnb in San Francisco abspielt, arbeiten Zhao und sein Team rund um die Uhr, mit drei Monitoren, ständigen Meetings und Vorbereitungen für die Demo Day im Dezember, bei der sie vor Investoren präsentieren. Die Erfahrung hat Zhao überzeugt: „Der größte Risiko ist, nichts zu tun.“ In der Tech-Community wird Zhao als typischer Vertreter der neuen Gründergeneration gesehen – jener jungen, technikaffinen, risikobereiten Talente, die nicht auf traditionelle Karrierewege warten, sondern direkt in die Entwicklung von KI- und Softwarelösungen einsteigen. Y Combinator gilt als eine der exklusivsten und einflussreichsten Gründungsprogramme weltweit, und die Aufnahme ist ein starkes Indiz für das Potenzial von Structured AI. Die Tatsache, dass ein Team mit jungen, oft unvollendeten Studiengängen so schnell Finanzierung und Zulassung erlangt, spiegelt die aktuelle Dynamik in der KI-Gründerlandschaft wider. Viele Investoren sehen in KI-Startups, die spezifische, reale Probleme in Branchen wie Bau, Recht oder Gesundheit lösen, ein hohes Wachstumspotenzial. Zhao und sein Team profitieren von der zunehmenden Verbreitung von KI-Agents und dem Wunsch nach Automatisierung in prozessintensiven Berufen. Die Kombination aus technischem Know-how, Marktnähe und der Fähigkeit, schnell zu prototypisieren, ist entscheidend. Für die Zukunft will Structured AI nicht nur ein Nischen-Tool, sondern ein zentrales Werkzeug im Bauprozess werden. Die Reise von der Banken- zu der Gründerszene ist für Zhao mehr als ein Karriere-Wechsel – es ist die Verwirklichung einer tieferen Leidenschaft: das Schaffen von etwas, das zählt.
