LeCun kritisiert Wang und warnt vor AI-Abkehr bei Meta
Yann LeCun, der renommierte KI-Pionier und ehemalige Chief AI Scientist bei Meta, hat Zweifel an der Führungskompetenz von Alexandr Wang geäußert, dem 28-jährigen Co-Gründer von Scale AI, den Meta mit einem 14-Milliarden-Dollar-Investment und einer Schlüsselrolle im neuen Super Intelligence Lab gewinnen konnte. In einem Interview mit der Financial Times bezeichnete LeCun Wang als „unerfahren“ und kritisierte, dass dieser das Wesen der Forschung in der KI nicht verstehe – insbesondere nicht, was für Wissenschaftler attraktiv oder abstoßend sei. Obwohl Wang zeitweise LeCuns Vorgesetzter war, betonte dieser, dass er selbst nie Anweisungen von einem Manager erhalten habe, „besonders nicht von jemandem wie mir“. LeCun sieht in Wangs Ansatz eine starke Ausrichtung auf große Sprachmodelle (LLMs), die er als „komplett LLM-pilled“ bezeichnet. Er warnt, dass dieser Fokus auf LLMs die Entwicklung echter Superintelligenz behindere, und betont, dass er nicht bereit sei, seine wissenschaftliche Integrität aufzugeben, nur weil ein CEO anders denkt. Seine Kritik wird durch die Enttäuschung über die Leistung von Llama 4 untermauert, bei der Meta nach LeCuns Angaben die Benchmark-Ergebnisse manipuliert haben soll – ein Vorwurf, der Zuckersbergs Vertrauen in das bestehende KI-Team erschüttert habe. Daraufhin wurde die gesamte GenAI-Abteilung de facto außer Kraft gesetzt. LeCun, der nun als Exekutiv-Vorsitzender seines eigenen Startups „Advanced Machine Intelligence“ tätig ist, betont, dass er zwar eine Vision für zukünftige KI-Technologien habe, aber kein geeigneter CEO sei – zu unorganisiert und zu alt. Sein Unternehmen setzt auf eine alternative KI-Paradigmen, die über reine LLMs hinausgeht, was seine Kritik an der aktuellen Meta-Strategie weiter untermauert. Die Entwicklung deutet auf eine tiefgreifende Spaltung innerhalb der KI-Community hin: Während Meta auf LLMs setzt, plädiert LeCun für fundierte, wissenschaftlich getriebene Innovationen, die die Grenzen des bestehenden Modells sprengen. In der Branche wird LeCuns Kritik als wertvolle, wenn auch kontroverse Stimme gesehen. Experten wie Andrew Ng und Yoshua Bengio würdigen seine wissenschaftliche Integrität, warnen aber auch vor einer zu starken Polarisierung. Wangs Einstieg gilt als strategischer Zug in Zuckersbergs KI-Offensive, doch die Kritik von LeCun wirft Fragen zur langfristigen Führungsqualität und wissenschaftlichen Vision auf. Meta, mittlerweile mit einem Fokus auf LLM-Entwicklung, versucht, die KI-Revolution zu dominieren – doch LeCuns Abgang und seine Kritik deuten auf tiefere strukturelle Spannungen hin. Sein neues Unternehmen, das auf Grundlagenforschung setzt, könnte als Gegenpol zu den marktgetriebenen LLM-Strategien gelten. Obwohl Wangs Hintergrund in der KI-Industrie beeindruckend ist, bleibt die Frage, ob er die wissenschaftliche Kultur und die langfristige Vision einer KI-Entwicklung steuern kann, die über reine Skalierung hinausgeht.
