Serverausgaben im KI-Boom: Ist das nachhaltig?
Seit dem Ausbruch der GenAI-Boom hat sich die Servernachfrage weltweit explosionsartig erhöht – und die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut einer Analyse basierend auf IDC-Daten ist der Quartalsumsatz mit Servern im dritten Quartal 2025 auf rund 112,5 Milliarden US-Dollar gestiegen, wobei GPU-beschleunigte Systeme bereits mehr als die Hälfte der Umsätze ausmachten. Dies stellt einen enormen Sprung gegenüber den Spitzenwerten der Dotcom-Ära dar: Während die Serverumsätze im Jahr 1999 maximal etwa 13 Milliarden Dollar pro Quartal erreichten, liegt die aktuelle Zahl heute bei mehr als zehnfach höherem Niveau – ein Aufschwung, der innerhalb weniger Jahre stattgefunden hat. Besonders auffällig ist der rasant ansteigende Anteil nicht-X86-Architekturen: Während X86-Server mit 76,3 Milliarden Dollar immer noch dominieren, stiegen die Verkäufe von Arm-basierten Systemen, vorangetrieben von Nvidia’s Grace-CPU und Cloud-Hyperscalern wie AWS, Google und Microsoft, um 192,7 Prozent im Q3 2025. Auch IBM verzeichnete mit neuen Power11- und System z17-Modellen einen Aufschwung im proprietären Segment. Ein weiterer entscheidender Trend ist die zunehmende Dominanz von ODMs (Original Design Manufacturers): Sie steuerten bereits fast 60 Prozent des weltweiten Serverumsatzes bei – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 45 Prozent im Vorjahr. Obwohl Dell als OEM weiterhin führend bleibt, insbesondere dank seiner AI-Produkte, deutet viel darauf hin, dass einige ODMs mittlerweile sogar größere Umsätze generieren als traditionelle Hersteller. Gleichzeitig zeigt sich, dass die Nachfrage nach GPU-beschleunigten Systemen weiterhin ungebrochen hoch ist: IDC meldete für die ersten drei Quartale 2025 einen Gesamtumsatz von 314,2 Milliarden Dollar für GPU-beschleunigte Server – ein klarer Indikator für die zentrale Rolle von KI-Infrastruktur. Trotz dieser beeindruckenden Zahlen bleibt die Frage nach der Nachhaltigkeit der Entwicklung offen. Die aktuelle Umsatzentwicklung basiert auf einer starken Investition in Hardware, während die Softwaresektor noch keine vergleichbaren Einnahmen erzielt, die die hohen Kapitalkosten rechtfertigen würden. Viele Unternehmen bauen, aber wenige generieren nachhaltige Renditen. Die Prognose von IDC für 2024 bis 2029 zeigt ein weiteres Wachstum – mit einem geschätzten Gesamtumsatz von 3 Billionen Dollar an Servern zwischen 2014 und 2029, davon 2,18 Billionen Dollar durch AI-Server. Doch diese Zahlen setzen voraus, dass die Nachfrage nach Rechenleistung weiter steigt und dass ausreichend HBM-Speicher für die Acceleratoren zur Verfügung steht – ein Risiko, das bislang unterschätzt wird. Industrieexperten warnen vor einer Überhitzung: Während die Hardwareindustrie profitiert, fehlt bislang ein klares Geschäftsmodell, das die Investitionen rechtfertigt. Die nächste Herausforderung könnte ein Rückgang im vierten Quartal 2025 sein, da Unternehmen auf neue Produkte wie Nvidia’s Vera-Rubin oder AMD’s Venice-Altair warten könnten. Doch selbst wenn die Nachfrage kurzfristig schwankt, deutet die langfristige Entwicklung auf eine strukturelle Umstellung hin – die Datenzentren der Zukunft werden deutlich leistungsfähiger, aber auch deutlich teurer sein. Die Frage ist nicht mehr, ob die Infrastruktur wächst, sondern ob sie auch wirtschaftlich tragfähig bleibt.
