OpenAI enthüllt, wie Nutzer ChatGPT tatsächlich nutzen
Eine neue Studie des OpenAI-Wirtschaftsforschungsteams, veröffentlicht als NBER-Arbeitspapier im September 2025, bietet die umfassendste bisherige Analyse der tatsächlichen Nutzung von ChatGPT. Basierend auf über 1,1 Millionen anonymisierten Chat-Interaktionen von rund 130.000 Nutzern zwischen Mai 2024 und Juni 2025 zeigt die Untersuchung, dass die meisten Menschen ChatGPT nicht als Produktionswerkzeug, sondern als Denkpartner nutzen. Die zentrale Erkenntnis: 49 % der Nachrichten fallen in die Kategorie „Fragen“ (Asking), 40 % in „Tun“ (Doing) und 11 % in „Ausdrücken“ (Expressing). Besonders bemerkenswert ist, dass das Fragen schneller wächst als das Tun – ein Hinweis darauf, dass Nutzer ChatGPT vor allem für Reflexion, Entscheidungsfindung und Problemlösung nutzen. Die Studie offenbart zudem, dass der Großteil der Nutzung nicht beruflich ist: Während 2024 noch 53 % der Nachrichten nicht berufsbezogen waren, stieg dieser Anteil bis Juni 2025 auf 73 %. Die Hauptnutzungsarten sind Praktische Anleitung (z. B. Lernhilfe, Ideenfindung), Informationsbeschaffung (z. B. Fakten, Produktrecherche) und Schreiben – diese drei Kategorien machen zusammen fast 80 % der Nutzung aus. Schreiben ist dabei die häufigste berufliche Anwendung und macht 40 % der berufsbezogenen Nachrichten aus. Interessant ist, dass zwei Drittel dieser Schreibanfragen nicht um Neuschöpfung, sondern um Bearbeitung, Kritik, Übersetzung oder Zusammenfassung bestehender Texte gehen. Anders als oft angenommen, spielt Programmieren nur eine geringe Rolle: Mit nur 4,2 % der Nachrichten steht es weit hinter anderen Anwendungsfällen. Auch soziale oder emotionale Unterstützung ist selten: Nur 2 % der Nachrichten betreffen Beziehungen oder seelische Themen, was im Widerspruch zu anderen Studien steht, die höhere Werte für Jugendliche und Erwachsene nennen. Die Nutzung scheint jedoch stark altersabhängig zu sein: Menschen unter 26 Jahren verursachen etwa die Hälfte aller Nachrichten. Sie nutzen ChatGPT vor allem privat, und nur 22,5 % ihrer Nachrichten sind berufsbezogen – weniger als bei allen anderen Altersgruppen, außer den über 65-Jährigen. Der höchste Anteil an beruflicher Nutzung liegt bei 36- bis 45-Jährigen (31,4 %). Zudem hat sich das Nutzerprofil verändert: Während Anfang 2023 etwa 80 % der Nutzer männliche Namen hatten, sind es 2025 nur noch 48 %. Frauen nutzen ChatGPT stärker für Schreiben und praktische Hilfe, Männer eher für technische Fragen und Medien. Die Studie betont, dass keine menschlichen Analysten die Gespräche gelesen haben – stattdessen wurde ein automatisiertes, Datenschutz-sicheres System mit PII-Entfernung eingesetzt, um die Privatsphäre zu schützen. Die Ergebnisse legen nahe, dass die wahre Stärke von ChatGPT in der Unterstützung des Denkens liegt, nicht nur der Produktion. Nutzer, die Fragen stellen und reflektieren, erzielen laut der Studie höhere Qualität und Zufriedenheit. Empfehlungen für eine effektivere Nutzung: Statt „Mach das“ zu sagen, besser „Hilf mir, eine Entscheidung zu treffen“ fragen. Kriterien vorab festlegen, bevor Texte generiert werden. Argumente gegeneinander abwägen. Und statt immer von Null zu beginnen, bestehende Texte verbessern. Zusammenfassend zeigt die Studie, dass ChatGPT längst über eine Produktivitäts-App hinausgeht – es ist ein Werkzeug für strukturiertes Denken, Lernen und persönliche Entwicklung. Die Zukunft der KI-Nutzung liegt weniger in der Automatisierung, sondern in der Verbesserung des menschlichen Denkprozesses.
