Rivian greift Tesla bei Autonomie mit Lidar und Eigenchips an
Rivian hat am Donnerstag in seinem Forschungs- und Entwicklungszentrum in Palo Alto ein umfassendes Roadmap für autonome Fahrtechnologien vorgestellt, das die Firma in direkte Konkurrenz zu Tesla bringt. Zentrales Element ist die geplante Integration von Lidar-Sensoren in den zukünftigen R2, dem günstigsten Modell von Rivian, das ab Ende 2026 ausgeliefert werden soll. Dieser Schritt unterstreicht Rivians strategische Abkehr von Teslas Ansatz, der auf Kameras und künstliche Intelligenz setzt und auf Lidar verzichtet. Rivian will mit dem Lidar-System eine höhere Sicherheit und Zuverlässigkeit für Level-4-Autonomie erreichen, bei der der Fahrer nicht mehr ständig überwachen muss. Parallel dazu entwickelt das Unternehmen seinen ersten eigenen Chip, den „Autonomy Compute Module 3“ (ACM3), der von TSMC produziert wird. Dieser wird die Basis für die nächste Generation der Fahrzeughardware bilden und speziell für vision-basierte künstliche Intelligenz optimiert sein – ein direkter Angriff auf Teslas eigenentwickelte AI-Chips, die seit 2019 eingesetzt werden. Rivian positioniert sich damit klar als Herausforderer von Teslas Full Self-Driving (FSD), das derzeit nur unter ständiger Aufsicht des Fahrers funktioniert. Im Gegensatz dazu will Rivian mit „Autonomy+“ ab Anfang 2026 eine FSD-ähnliche Dienstleistung anbieten, die für 49,99 US-Dollar im Monat oder 2.500 US-Dollar einmalig erworben werden kann – deutlich günstiger als Teslas FSD-Preis. Die Funktion umfasst punkt-zu-Punkt-Navigation, „eyes-off“-Fahren und „personal L4“-Fähigkeiten. Die Software wird kontinuierlich über Updates verbessert, basierend auf Daten aus mehreren hundert Millionen gefahrenen Meilen in den USA und Kanada, die unterschiedliche Geografien und Jahreszeiten abdecken. Zusätzlich kündigte Rivian eine künstliche Intelligenz-gestützte Sprachassistentenfunktion an, die ab 2026 in den Gen-1- und Gen-2-R1-Modellen verfügbar sein wird. Der Assistent kann über Google Calendar, Fahrzeugdiagnosen und Steuerung von Komfortfunktionen wie Sitzheizung sprechen. Dieser Schritt folgt Teslas Integration von xAI’s Grok, zeigt aber, dass Rivian den Fokus auf praktische, nutzerzentrierte KI-Integration legt. Industrieanalysten sehen in Rivians Schritt eine strategische Stärkung, insbesondere durch die Kombination aus Lidar, Eigenentwicklung und günstigerer Monetarisierung. „Rivian nutzt den größten Vorteil von Tesla – die Marktführerschaft in autonomen Systemen – und greift ihn mit einer technisch fundierteren, sichereren Architektur an“, sagt ein Branchenexperte. Die Partnerschaft mit Volkswagen unterstreicht zudem Rivians Ziel, seine Software auch an andere Hersteller zu licensieren. Obwohl Tesla weiterhin die technologische Vision vertritt, wird Rivians konsequente Hardware- und Sensorstrategie als ernstzunehmende Alternative wahrgenommen, insbesondere in einem Markt, in dem Autonomie zunehmend als Wettbewerbsfaktor gilt.
