Tech-Chefs setzen auf Datenzentren im All
Google-Chef Sundar Pichai hat sich erneut mit der Vision einer Datenzentren-Präsenz im All beschäftigt, indem er das ambitionierte Projekt Suncatcher vorstellte – ein langfristiger Forschungsansatz, der darauf abzielt, künstliche Intelligenz-Infrastruktur in der Umlaufbahn zu skalieren. Auf dem „Google AI: Release Notes“-Podcast bezeichnete Pichai die Idee als „Moonshot“, die heute noch als „wahnsinnig“ erscheint, aber aus Sicht der zukünftigen Rechenleistungsbedarfe zunehmend sinnvoll wird. Ein zentrales Ziel ist der Einsatz von Google’s Tensor Processing Units (TPUs) im Weltraum – möglicherweise bereits 2027. Die Anspielung auf den Tesla Roadster, der 2018 von Elon Musk in die Umlaufbahn geschossen wurde, unterstreicht die kulturelle Verbindung zwischen Raumfahrt und technologischer Vision. Doch die Ambitionen gehen weit über eine PR-Aktion hinaus. Elon Musk, der mit SpaceX und Starship eine neue Ära der Raumfahrt vorantreibt, sieht im Weltraum eine gigantische Quelle für Energie und Rechenleistung. In einem X-Beitrag prognostizierte er, dass Starship jährlich bis zu 500 Gigawatt an solarbetriebenen KI-Satelliten in den Orbit bringen könnte – eine Menge, die die gesamte derzeitige globale Datenzentren-Kapazität von 59 Gigawatt auf der Erde weit übertrifft. Diese Zahlen spiegeln die steigende Energieanforderung wider, die durch den KI-Boom verursacht wird. In den USA sind Datenzentren bereits der Haupttreiber des Wachstums der Stromnachfrage, was das nationale Stromnetz unter Druck setzt. Andere Tech-Führer teilen diese Sichtweise. Jeff Bezos erwartet, dass Datenzentren in den nächsten 10 bis 20 Jahren in den Weltraum verlegt werden. OpenAI-Chef Sam Altman ging sogar noch weiter und spekulierte über eine mögliche „Dyson-Sphäre“ im Sonnensystem, um die gesamte Energie des Sonnensystems für KI-Nutzung zu nutzen – eine Vorstellung, die die Grenzen zwischen Science-Fiction und technologischer Strategie verwischt. Salesforce-Chef Marc Benioff betonte in einem Tweet, dass der Weltraum die kostengünstigste Umgebung für Datenzentren sei: kontinuierliche Sonneneinstrahlung, keine Notwendigkeit für Batterien und natürliche Kühlung durch den Weltraumvakuum. Die Vision ist klar: Die Erde wird bald nicht mehr ausreichen, um den Energie- und Platzbedarf von KI-Infrastrukturen zu decken. Die Kombination aus fortschreitender Raumfahrttechnologie, sinkenden Launch-Kosten und der Notwendigkeit nach nachhaltiger Energieversorgung macht den Weltraum zunehmend attraktiv. Ob diese Pläne jemals realisiert werden, bleibt offen – doch die Tatsache, dass führende Tech-CEOs wie Pichai, Musk, Bezos und Altman diese Idee ernst nehmen, zeigt, dass die Zukunft der Rechenleistung möglicherweise nicht auf der Erde, sondern im All liegt.
